Schreiben Benedikts XVI. manipuliert veröffentlicht

Mediendirektor des Vatikans tritt nach Papstbrief-Fake zurück

Der Mediendirektor des Vatikans, Dario Vigano (55), ist zurückgetreten. Zuvor hatte seine Behörde einen Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. nur manipuliert und verkürzt veröffentlicht.

Die vielen Kritiken und Polemiken der vergangenen Tage gegen seine Arbeit gefährdeten das gesamte Projekt der Medienreform im Vatikan, schreibt der Brasilianer in einem Brief an Papst Franziskus, den der Vatikan am Mittwoch veröffentlichte. Der Papst nahm den angebotenen Rücktritt an. Übergangsweise leitet der bisherige Sekretär des Mediendikasteriums, Lucio Adrian Ruiz (52), die Behörde.

Vergangene Woche hatte es eine heftige Kontroverse um den päpstlichen Kommunikationschef gegeben. Bei der Präsentation einer Buchreihe zur Theologie von Papst Franziskus hatte Vigano einen Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. verlesen. Darin lobte dieser das Buchprojekt, lehnte aber einen Einleitungsaufsatz ab.

Manipulationsabsicht zurückgewiesen

Erst später wurde ein Absatz des Briefs bekannt, in dem sich Benedikt XVI. verwundert über die Beteiligung des deutschen Theologen Peter Hünermann äußert. Diesem warf er unter anderem „antipäpstliche“ Kampagnen vor.

Bei der Buchvorstellung hatte Vigano nur die ersten beiden Absätze des Briefes verlesen. Die Medienbehörde veröffentlichte später den ersten Absatz; ein Foto des Schreibens wurde teilweise manipuliert und Passagen unkenntlich gemacht. Vigano begründete die zunächst selektive Veröffentlichung des Briefes mit dessen privatem Charakter und wies jede Manipulationsabsicht von sich.