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Worauf eine Beraterin des SkF Cloppenburg die Beobachtung zurückführt

Mehr werdende Väter in der Schwangerschaftsberatung

  • Der Zuspruch der katholischen Schwangerenberatung in Cloppenburg hat sich während der Pandemie auffallend geändert.
  • Die Zahlen an sich sind im Jahr von Pandemie und Lockdown zwar in etwa gleich geblieben.
  • Aber es drängen neben den Frauen viel mehr Männer in die Beratungsgespräche von Beraterin Martina Janhsen.
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Martina Janhsen war überrascht. Sie berät seit Jahrzehnten für den Sozialdienst katholischer Frauen Cloppenburg (SkF) schwangere Frauen. Und erlebte 2020 etwas Neues: Auch Männer wollten beraten werden. Viele hätten geradezu auf ein Gespräch gedrängt, berichtet sie. Der Grund sei eindeutig: Corona und der Lockdown.

Zunächst hätte die Beraterin eigentlich erwartet, dass wegen der Pandemie die Zahl Rat suchender Frauen überhaupt zurückgehe, sagt Janhsen. Die sei in Cloppenburg mit 446 Fällen aber in etwa gleich geblieben im Vergleich zu 2019.

Viel mehr Väter kommen mit

Schwangerenberaterin Martina Janhsen
Schwangerenberaterin Martina Janhsen. | Foto: privat

Doch sei sie bei der Kontaktaufnahme mit schwangeren Frauen jetzt viel häufiger mit Männern ins Gespräch gekommen, auffällig häufiger, wie sie betont.

Sonst gebe ein Mann bei einem Anruf den Hörer freundlich, aber kurz an seine Frau weiter. Im Vorjahr habe sie von Männern oft „regelrecht ängstlich“ gehört: „Haben Sie nicht auch ein bisschen Zeit für mich?“ Manchmal habe sie nach einem längeren Gespräch mit dem Mann regelrecht darauf drängen müssen, noch mit der Frau sprechen zu dürfen. „Das hat mich hellhörig werden lassen“, sagt Janhsen. Weil es sich über das ganze Jahr wiederholt habe.

Immer schon Beratung für Paare

Viele Männer hätten auch gefragt, ob sie nicht zur Beratung der Frauen mitkommen dürften. „Natürlich konnten sie das“, betont Janhsen. „Unsere Beratung richtet sich immer an Paare.“ Schon beim ersten Beratungsgespräch erhalte die Frau auch zwei Broschüren für ihren Partner.

Dass Männer auf dieses Angebot zum Gespräch auch eingehen, hat Janhsen noch nie so häufig erlebt wie im Vorjahr. Sie versucht eine Erklärung: „Im vergangenen Jahr hatten viele Männer wohl das Gefühl, bei Schwangerschaft und Geburt irgendwie ausgeschlossen zu sein.“ Wegen Kontaktbeschränkungen waren sie von Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt ausgeschlossen, später bei der Geburt vielleicht auch nur eingeschränkt dabei. Viele Männer hätten diese Phase nicht so wie gewünscht miterleben können. „Da brach für sie ganz viel weg“, glaubt Janhsen.

Väter sehen ihre Rolle anders

Ein Grund ist in ihren Augen: „Männer bereiten sich heute ganz anders auf ihre Vaterrolle vor als noch vor 15 Jahren.“ Wie man die Vater-Kind-Beziehung gestalte oder wann man die Erziehungszeit nehme – das sei vielen Männern wichtiger geworden. „Irgendwie ausgeschlossen zu sein“ werde dann schnell zur Belastung, vermutet Janhsen.

Die Caritas im Oldenburger Land hat nach eigenen Angaben in ihren sechs Schwangerschaftsberatungsstellen im Vorjahr 2.201 Frauen beraten, trotz Corona und Lockdown nur 33 weniger als 2019.

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