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Vor 75 Jahren starb der damals 30-jährige Priester an den Folgen seiner KZ-Haft 

„Mein Onkel ist der selige Karl Leisner“

Am 12. August sind es 75 Jahre her, dass der erst 30-jährige Priester Karl Leisner an den Folgen seiner KZ-Haft starb. Seine Nichte Monika Kaiser-Haas hat ihn zwar nicht mehr persönlich kennen gelernt, das Gedenken des Seligen ist ihr dennoch ein großes Anliegen.

Es sind bewegende Worte, wenn Monika Kaiser-Haas über ihren Onkel spricht, den sie nie kennen gelernt hat, und der doch irgendwie ständig präsent ist: „Als Nichte ist mir mein Onkel Karl sehr ans Herz gewachsen. Sein Leben gibt auch meinem Leben Sinn. Seine frohe Grundstimmung begleitet mich von Kind an.“ 

Monika Kaiser-Haas spricht über Karl Leisner, einen Seligen des Bistums Münster. Leisners tief verwurzelter Glaube und eine unvorsichtige Äußerung brachten ihn in Konflikt mit der Nazi-Diktatur. Nach 2003 Tagen Haft und seiner Befreiung aus dem KZ Dachau starb er am 12. August 1945 im Alter von 30 Jahren.

Auch ihr Vorname hat mit dem Seligen zu tun

Für die 1948 geborene Monika Kaiser-Haas bestimmt die Erinnerung an ihren Onkel einen wichtigen Teil ihres Lebens. Und dafür ist sie dankbar: „Meine Mutter Elisabeth und mein Vater Wilhelm Haas haben in mir schon als Kind das Interesse für das Leben von Karl Leisner geweckt, den Bruder meiner Mutter. Er starb drei Jahre vor meiner Geburt. Meine Eltern gaben mir den Vornamen Monika, weil Karl damals am Gedenktag der heiligen Monika aus dem KZ Dachau befreit worden war.“ Ihren Eltern sei sie bis heute dankbar für die vielen Erinnerungen und Berichte über das Leben ihres Onkels – insbesondere aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Seit ihrer Jugend beschäftigt sich Monika Kaiser-Haas intensiv mit dem kurzen Leben ihres Onkels, hat an vielen Veröffentlichungen über den 1996 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochenen Glaubenszeugen mitgewirkt und unzählbare Begegnungen mit Zeitzeugen und NS-Verfolgten gehabt, so etwa mit den Weggefährten Leisners im KZ Dachau, Prälat Hermann Scheipers (1913-2016) und Pfarrer Johannes Sonnenschein (1912-2003). In Vorträgen, in Gesprächen mit Schulklassen und vielen Begegnungen spricht sie über ihren Onkel. Es sind nicht nur die nüchternen Fakten und Jahreszahlen, über die sie zu berichten weiß. „Viele Menschen interessieren sich für das Leben von Karl Leisner. Sein konsequentes Streben nach Heiligkeit wird sie berühren und ihren Glauben stärken“, sagt die 72-Jährige.

Karl Leisner hätte 14 Nichten und Neffen gehabt

Der selige Karl LeisnerDer selige Karl Leisner (1915-1945). | Foto: Archiv

Auch in ihrer großen Familie spricht die vierfache Mutter und zehnfache Großmutter gern über das Leben ihrer Eltern und Großeltern, über die gesamte Großfamilie Leisner. Monika Kaiser-Haas ist mit acht Geschwistern in Kleve aufgewachsen, Wilhelm Leisner, der einzige Bruder von Karl Leisner, hatte fünf Kinder. Insgesamt hätte Karl Leisner 14 Nichten und Neffen gehabt, von denen heute 13 leben, sagt Monika Haas-Kaiser und fügt an: „Es ist schön, eine so große Familie zu haben.“

Leisners Sterbezimmer im Waldsanatorium Planegg ist dank der Barmherzigen Schwestern bis heute im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Dort wird in jedem Jahr am 12. August seiner gedacht. In diesem Jahr ist auch Monika Kaiser-Haas dort, um die Nähe ihres Onkels zu spüren und für ihre Familie am 75. Todestag seiner zu gedenken. Eigentlich sollte der Gedenktag in größerem Rahmen begangen werden. Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hatte den Schwestern seinen Besuch am Gedenktag zugesagt. Geplant waren eine Statio am Gedenkort mit der Karl-Leisner-Stele und ein Festgottesdienst in der Hauskirche des Waldsanatoriums. „Die Gedenkfeier musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden“, sagt Monika Kaiser-Haas.

Dass des 75. Todestags ihres Onkels nur in kleinem Kreis gedacht werden kann, findet sie zwar schade, aber sie hat schon einen anderen Termin ins Auge gefasst: „Im Sommer nächsten Jahres jährt sich der 25. Jahrestag seiner Seligsprechung. Dann soll am Grab des Seligen in der Krypta des Xantener Doms eine Feier sein.“ Vorbreitet werde dort für den 22. August 2021.

Lebensstationen des Glaubenszeugen

Die in Münster-Hiltrup lebende frühere Lehrerin an der Ludgerus-Grundschule ist Vize-Präsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK). Vor einigen Monaten hat sie eine Novene, ein neuntägiges Gebet, um die Fürsprache des Seligen geschrieben und veröffentlicht. „Jeder Tag erinnert an eine Lebensstation von Karl Leisner. Das weltweit bekannte „Pulloverbild“ des KZ-Häftlings eröffnet die Novene, gefolgt von den Lebensdaten. Danach folgen Geleitworte von Bischof Felix Genn, vom Regionalbischofs für die Region Niederrhein/Recklinghausen, Rolf Lohmann, von Prälat Helmut Moll, dem Herausgeber des deutschen Martyrologiums, und vom Präsidenten des IKLK, Propst Johannes Mecking aus Kleve.

Ein besonderes Anliegen der Novene ist es, im Gebet um seine Heiligsprechung zu bitten“, sagt sie und ist angetan von der Resonanz, die ihr Gebet erfahren hat. Die Propsteigemeinde St. Viktor in Xanten, die Pfarrei St. Peter und Paul in Kranenburg, der Internationale Karl-Leisner-Kreis, die Schwestern im Karmel Heilig Blut an der Gedenkstätte des KZ Dachau und weitere Gruppen hatten anlässlich des Gedenktags zum Gebet der Novene eingeladen.

Einen Wunsch hat Monika Kaiser-Haas im Vorwort zur Novene geäußert: „Möge der selige Karl Leisner Vorbild werden für viele Menschen und weltweite Verehrung finden, damit seine Heiligsprechung möglich wird.“ Und sie zitiert Bischof Clemens August Graf von Galen, der am 4. September 1945 wenige Tage nach dem Tod von Karl Leisner dessen Eltern schrieb: „Sie haben dem Himmel einen Heiligen geschenkt!“

Das Neun-Tage-Gebet (Novene) um die Fürsprache des seligen Karl Leisner finden Sie hier.

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