Basketball mit Mönchen, Messe auf der Ranch – ein Spender macht's möglich

Messdiener aus Xanten pilgern durch Kalifornien

Sieben Minuten nach Versenden der Einladung war die erste Anmeldung zur Pilgerreise im Mail-Eingang von Oliver Rothe. 35 Xantener Messdiener hatte der Kaplan angeschrieben und ihnen ein besonderes Wallfahrts-Ziel angeboten: nicht nach Rom oder Lourdes, Taizé oder Santiago de Compostela sollte es gehen, sondern ins 9000 Kilometer entfernte Kalifornien.

„Meine Zwillingsschwester und ich haben nicht lange gefackelt“, erzählt die 17-jährige Dagmar Olfen. „Wir haben direkt mit unseren Eltern gesprochen und überlegt, wie wir das finanzieren, ob wir dafür vielleicht arbeiten sollten.“ Dabei war der größte Teil der Kosten bereits gezahlt – von einem Spender, der Rothe einen großzügigen Betrag übergeben hatte. „Wir sollten davon aber nichts anschaffen, sondern etwas mit Jugendlichen unternehmen“, berichtet der Kaplan.

500 Euro Eigenateil

Kaplan Oliver Rothe (mit Basecap und Sonnenbrille) mit den Messdienern aus Xanten in Kalifornien.Kaplan Oliver Rothe (mit Basecap und Sonnenbrille) mit den Messdienern aus Xanten in Kalifornien. | Foto: privat.

500 Euro musste jeder Teilnehmer dennoch aufbringen – für eine elftägige Flugreise an die Westküste der USA inklusive Unterkünften. „Wir wollten ursprünglich in kirchlichen Exerzitienhäusern übernachten, aber die waren zu teuer“, sagt Rothe. „Und so haben wir meist in Klöstern oder günstigen Motels gewohnt.“

Am Ende waren es 14 Messdiener, der Kaplan und zwei weitere Begleiter, die sich auf diese ungewohnte Pilgerreise machten. Der rote Faden waren die Missionsstationen, die spanische Franziskaner ab 1769 an der gesamten Westküste gründeten und aus denen später Städte wie Los Angeles und San Francisco entstanden.

Sonne, Strand, Meer?

„Ich gebe es ja zu“, bekennt Regina Olfen, „am Anfang habe ich vor allem an Sonne, Strand und Meer gedacht. Aber es war ja klar, dass wir eine Pilgerreise unternehmen würden. Abgeschreckt hat es mich nicht.“ Und der 16-jährige Markus Bullmann erzählt: „Wir haben zwar nicht 24 Stunden lang den Rosenkranz gebetet, aber die Gottesdienste, die wir gefeiert haben, und die Kirchen und Klöster, die wir besucht haben – das war schon sehr beeindruckend.“

Am großen Taufbecken der neuen katholischen Kathedrale „Christ the Light“ in Oakland.Am großen Taufbecken der neuen katholischen Kathedrale „Christ the Light“ in Oakland. | Foto: privat.

Begeistert erzählen die Jugendlichen von den neuen Kathedralen in Los Angeles und Oakland oder von der Benediktinerabtei St. Andrews im Wüstenort Valyermo – eine ehemalige Ranch, deren Pferdestall heute die Abteikirche ist. Dort haben sie gemeinsam mit ihrem Kaplan die Messe gefeiert. Jeder Tag begann mit einem geistlichen Impuls – reihum von den Jugendlichen vorbereitet.

Barbecue mit Klosterbrüdern

Besonders beeindruckt zeigen sich die Jugendlichen von ihrem Besuch bei den Franziskanernovizen in der Nähe von San Luis Obispo. „Ich habe ja geglaubt, Klöster wären ziemlich eintönig“, erzählt Markus Bullmann, und auch Regina Olfen hatte sich das Leben dort „extrem fromm“ vorgestellt. Aber dann kam alles anders.

Beste Stimmung bei den Franziskaner-NovizenBeste Stimmung bei den Franziskaner-Novizen in der Nähe von San Luis Obispo. | Foto: privat

„Nach der Vesper haben uns die Novizen das Kloster gezeigt – und dann haben wir erst gemeinsam Basketball gespielt und anschließend Burger gegrillt. Wir haben uns total gut verstanden und viel Spaß miteinander gehabt.“ Jeder Jugendliche erhielt ein Franziskus-Kreuz von den Brüdern; während Dagmar und Regina Olfen, Lukas und Markus Bullmann davon erzählen, zeigen sie die Kreuze; jeder trägt es bei sich.

1429 Reisbällchen machen dem Kaplan Blasen

In den großen Städten standen natürlich auch touristische Highlights auf dem Programm: ein Besuch der weltberühmten Universal-Filmstudios in Los Angeles etwa und ein Gang über den „Walk of Fame“ in Hollywood, auf dem die Namen vieler Schauspieler und Musiker ver­ewigt sind. In San Francisco ist die Gruppe mit Fahrrädern über die Golden-Gate-Bridge gefahren – und durch die Stadt natürlich mit dem Cable Car.

Am längsten aber erzählen die Jugendlichen von ihrem Einsatz in der Suppenküche einer Franziskaner-Organisation. „Wir haben die Speisen auf die Teller gegeben, und der Kaplan hat mit einem Eisportionierer 1429 Reisbällchen geformt“, erzählt Lukas Bullmann lachend, „er hat sich sogar Blasen geholt!“ Exakt 2465 Essen hätten sie an obdachlose und andere bedürftige Menschen ausgeteilt.

Krasse Armut, turbulente Rückreise

Messfeier mit Kaplan Oliver Rothe in der Abteikirche der Benediktiner von ValyermoMessfeier mit Kaplan Oliver Rothe in der Abteikirche der Benediktiner von Valyermo, ehemals Pferdestall einer Ranch. | Foto: privat

„Wir haben viel Armut gesehen“, sagt Markus Bullmann nachdenklich. „Der Unterschied zwischen Arm und Reich war schockierend.“ Auch in Deutschland gebe es sicherlich viele Arme, „aber in den USA ist das viel krasser“, meint er. „Da leben ganze Familien auf der Straße und sind total angewiesen auf diese Suppenküchen. Ich war stolz, dass wir da helfen konnten.“ Und Regina Olfen ergänzt: „Das war eine wirklich bewegende Erfahrung – auch durch die Gespräche mit den Menschen, die da Tag für Tag ehrenamtlich helfen.“

Nach zehn Tagen endete die Pilgerfahrt – mit einer turbulenten Rückreise. Durch verspätete Flüge wurde die Gruppe auf der letzten Teilstrecke getrennt. Kaplan Oliver Rothe kam um 18 Uhr in Xanten an – und sollte doch um 18.30 Uhr eine besondere Messe feiern: die, mit der er sich von Xanten verabschiedete, um nach Borken zu wechseln. Das hat gerade noch geklappt. Vier Minuten vor Beginn waren auch die anderen Pilger da – pünktlich zum Altardienst.

Hätte nicht auch Santiago gereicht, Herr Kaplan?
Was der Besuch der „Paramount-Studios“ in Los Angeles mit einer Pilgerreise zu tun hat, wie sich so etwas finanzieren lässt und ob die spezielle Wallfahrt auch nachhaltig ist, beantwortet Kaplan Oliver Rothe (Foto) in der aktuellen Ausgabe von „Kirche+Leben“. Bestellen Sie „Kirche+Leben“ hier als bequemes E-Paper oder lesen Sie die Bistumszeitung aus Münster kostenlos für drei Wochen zur Probe. | Foto: Markus Nolte