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Der Dienst am Altar ist immer noch gefragt. Die Gemeinden sollten diese Chance nutzen, sagt Ulrich Waschki.
Zur Kirche zu gehen, ist nicht im Trend. Die Kirche hat an Vertrauen verloren. Der Glaube schwindet. Die Austrittszahlen sind hoch. Und doch engagieren sich immer noch 300.000 junge Menschen in deutschen Gemeinden als Messdienerinnen und Messdiener. Vor gut zehn Jahren waren es noch 360.000, aber der Rückgang ist nicht so stark wie bei der Zahl der Kirchenbesucher.
In einer Zeit, in der viele Kinder und Jugendliche in ihren Familien keine Glaubenspraxis mehr erleben, ist der Ministrantendienst von unschätzbarem Wert. Da entscheiden sich junge Menschen dafür, sonntags nicht auszuschlafen, sondern sich ein Gewand überzuziehen und sich an einer Liturgie zu beteiligen, die vielen fremd ist. Das ist auch eine Form des öffentlichen Bekenntnisses.
Dienst als Chance
Der Autor
Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Er stammt aus Rheine.
Dieser Dienst war schon immer eine Chance: Die Kinder und Jugendlichen lernen den Gottesdienst auf andere Weise kennen, beteiligen sich, haben eine Aufgabe. Das kann das Geschehen erschließen. Längst gehört zum Ministrantendienst in den meisten Gemeinden eine aktive Jugendarbeit mit Gruppenstunden und Ferienlager. Die Ministrantinnen und Ministranten lernen so: Gottesdienst und Gemeinschaft gehören zusammen. Für viele ist diese Zeit eine Prägung fürs Leben.
Nutzen Gemeinden diese Chance? Ministrantinnen und Ministranten brauchen eine gute Begleitung. Gerade in einer Zeit, in der Glaubenswissen und -praxis schwinden, sollte man die jungen Menschen ernst nehmen und sie fragen: „Ihr seid Ministranten? Warum? Was bedeutet euch das?“
Der Dienst am Altar kann ein Anknüpfungspunkt sein, um mit jungen Menschen in einer Phase, in der sie offen sind, weil sie nach Orientierung und einem Rahmen für ihr Leben suchen, ins Gespräch über den Glauben zu kommen. Nicht als rein technische Erklärung, wann und warum zum Beispiel Kerzen oder Weihrauch geholt werden müssen. Sondern als gemeinsame Suche nach einem Glauben, der hilft, das Leben zu bewältigen und die Welt zu gestalten.
In manchen Gemeinden gibt es solche Gespräche, weil engagierte Haupt- und Ehrenamtliche sich kümmern. In anderen Gemeinden aber eben nicht. Vielleicht aus Angst, die Kinder und Jugendlichen mit zu viel Religion zu erschrecken und zu verlieren. Oder aus Unsicherheit, wie das altersgemäß gehen kann. Das aber ist eine verpasste Chance – für die Gemeinde und die Kirche wie für die jungen Menschen selbst.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.