WISSENSCHAFT

Ex-Münsteraner Theologe Seewald: Hatte mich nicht für München beworben

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Der plötzliche Wechsel des Leibniz-Preisträgers hatte für Aufsehen gesorgt. Jetzt äußert sich Seewald zu Hintergründen – und zur Rolle der Theologie.

Der langjährige Münsteraner Theologieprofessor Michael Seewald hat erklärt, wie es zu seinem Wechsel an die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zum Sommersemester gekommen ist. Um den Lehrstuhl habe er sich gar nicht beworben, er sei ihm vielmehr angeboten worden. Das sei für ihn „eine äußerst reizvolle Sache“ gewesen, sagte er dem Studienbüro der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU.

In München will Seewald gemeinsam mit seinem Team unter anderem eine kritische Neuausgabe des „Denzinger“ erarbeiten, eines zentralen Kompendiums lehramtlicher Texte der katholischen Kirche. Die Herausgeberschaft hatte er 2025 von dem inzwischen verstorbenen Theologen Peter Hünermann übernommen.

Unverzichtbarkeit der Dogmatik

Zudem will Seewald weiter zu Fragen der Normbildung, Kanonizität und Lehrentwicklung in der katholischen Kirche forschen. Die Dogmengeschichte spiele dabei eine zentrale Rolle, da sie zeige, wie sich Glaubenslehren historisch entwickelt hätten. Ohne diese Perspektive drohe ein „dogmatischer Fundamentalismus“.

Die Dogmatik sei trotz ihres „merkwürdigen Klangs“ in der Öffentlichkeit unverzichtbar, sagte Seewald. Sie ordne religiöse Inhalte systematisch und ermögliche eine kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Normen im Austausch mit anderen Disziplinen.

Reflexive Distanz

Für seine Lehre an der LMU hob Seewald die Bedeutung einer bestimmten Haltung hervor: „Die Theologie nimmt sich die Freiheit, eine reflexive Distanz zur Welt und zur Kirche zu wahren, um beide besser verstehen und umso beherzter gestalten zu können.“

Seewald ist Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er wurde 2009 an der LMU promoviert und 2015 habilitiert. Von 2017 bis 2026 war er Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster. Im vergangenen Jahr erhielt er den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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