Am Wochenende demonstrierten Tausende für die Rechte von in Seenot geratenen Menschen

Migranten der „Alan Kurdi“ dürfen in Malta an Land

 Die 65 Migranten des deutschen Rettungsschiffs „Alan Kurdi“ dürfen in Malta an Land und werden von dort auf andere EU-Länder verteilt. Das gab Maltas Premierminister Joseph Muscat am Sonntag per Twitter bekannt. Vorausgegangen seien Beratungen mit der EU-Kommission und mit der deutschen Bundesregierung. Keiner der Geretteten werde in Malta bleiben, „da dieser Fall nicht unter die Verantwortung der maltesischen Behörden fiel“, betonte Muscat.

Weiter teilte der Regierungschef mit, als „Zeichen der Anerkennung des guten Willens der maltesischen Regierung“ nähmen EU-Staaten auch 58 weitere Migranten auf, die am Sonntag vom maltesischen Militär in einer separaten Aktion in Sicherheit gebracht worden seien.

Die „Alan Kurdi“ des in Regensburg ansässigen Vereins Sea-Eye hatte nach einem Anlegeverbot auf Lampedusa am Samstagabend Kurs auf Malta genommen. Dort teilte ein Militärsprecher laut Medienberichten zunächst mit, man erlaube keine Einfahrt in nationale Gewässer. Bei einem Versuch werde die Regierung „entsprechende Maßnahmen“ veranlassen.

„Alan Kurdi“: Besatzung twitterte um medizinische Hilfe

Am späten Sonntagvormittag hatte die „Alan Kurdi“ die Zwölfmeilenzone südlich von Malta passiert und lag ab dem Nachmittag weit außerhalb nationaler Gewässer südöstlich der Insel. Drei der Geretteten kollabierten nach Angaben von Sea-Eye wegen der Hitze und mussten ärztlich behandelt werden. „Wir benötigen dringend medizinische Unterstützung und einen sicheren Hafen, um Schlimmeres zu verhindern“, teilte die Besatzung per Twitter mit.

Die Entscheidung, die „Alan Kurdi“ nach Malta zu steuern, hatte die Crew damit begründet, sie könne „nicht abwarten, bis an Bord der Notstand herrscht“. Zugleich mahnte sie eine europäische Lösung an. „Jetzt muss sich zeigen, ob die europäischen Regierungen die Haltung Italiens stützen. Menschen sind keine Verhandlungsmasse“, twitterte die Besatzung.

Unterdessen konnten die Migranten des italienischen Segelschiffs „Alex“ in der Nacht zum Sonntag in Lampedusa von Bord. Laut italienischen Medienberichten handelte es sich um 46 Personen, die in ein Aufnahmezentrum gebracht wurden; der Betreiberverein des Schiffs, Mediterranea, hatte zuvor von 41 Migranten gesprochen.

Seehofer appelierte, italienische Häfen für Rettungsschiffe zu öffnen

Einem Appell des deutschen Innenministers Horst Seehofer (CSU), italienische Häfen für Rettungsschiffe zu öffnen, erteilte dessen Amtskollege Matteo Salvini eine brüske Absage. Mit Bezug auf die Flüchtlinge der „Alan Kurdi“ sagte Salvini: „Eher bringen wir sie mit dem Autobus in die deutsche Botschaft.“ Italien sei keine „Müllhalde für alle möglichen Probleme, die Europa nicht zu sehen vorgibt“, so der Politiker der rechten Lega in einer Video-Botschaft.

Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), kritisierte unterdessen das Vorgehen der italienischen Regierung und forderte eine europäische Lösung mit legalen Zugangswegen für betroffene Migranten in die EU. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag) sagte Barley, Salvinis Handeln sei „unmenschlich, unverantwortlich und beschämend“.

Asselborn: Neue Rettungsmission der EU auf dem Mittelmeer

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn schlug am Sonntag eine neue Rettungsmission der EU auf dem Mittelmeer vor. „Es ist in der derzeitigen Kriegslage in Libyen unausweichlich, dass Menschen versuchen, über das Mittelmeer aus dem Land zu fliehen“, sagte er der „Welt“. „Die Europäische Union sollte schnell mit Schiffen der Mitgliedstaaten eine neue EU-Seerettungsmission im zentralen Mittelmeer starten, um Flüchtlinge und Migranten vor dem Ertrinken zu retten.“ Die so geretteten Menschen sollten anschließend in zuvor festgelegte Häfen am Mittelmeer gebracht werden, so Asselborn. Diese Häfen sollten nicht nur in Italien liegen. Dort müsse dann über den Asylanspruch der Betroffenen entschieden werden.

In Deutschland demonstrierten derweil am Wochenende Tausende Menschen für die Rechte von in Seenot geratenen Migranten. Die Demonstranten appellierten an die Bundesregierung, die Geretteten an Bord der Schiffe „Alex“ und „Alan Kurdi“ aufzunehmen. Die meisten Teilnehmer versammelten sich in Hamburg und Berlin: nach Polizeiangaben jeweils etwa 3.000. Aufgerufen zu den Aktionen hatte die Organisation Seebrücke. Sie sprach von rund 30.000 Teilnehmern in etwa 60 deutschen Städten.