Neues Buch von Kirche+Leben-Redakteur Jürgen Kappel

„Militärseelsorge im Ausland wird zur Königsdisziplin“

Die Bundeswehr entwickelt sich immer stärker zu einer Einsatzarmee. Das fordert auch die Militärseelsorge heraus. Die Seelsorge im Einsatz ist heute die Königsdisziplin der Militärpfarrer, wie der leitende Militärdekan Joachim Simon die neue Schwerpunktsetzung beschreibt. Mit allen Konsequenzen für die Soldatinnen und Soldaten und deren Angehörige. Gerade in bedrohenden Situationen suchen Soldaten die Seelsorger in den Camps auf, um mit ihnen über ihre Ängste, Sorgen und die Probleme in den Familien in der Heimat zu sprechen.

Kirche+Leben-Redakteur Jürgen Kappel beschreibt in seinem soeben erschienenen Buch „Im Einsatz für den Frieden“ die neuen Herausforderungen in der Militärseelsorge. Durch die Vielzahl der Aspekte entsteht einem einem Mosaik gleich ein Bild der eindrucksvollen Arbeit in der Militärseelsorge, die am 4. Februar 2016 den 60. Jahrestag ihrer Gründung begangen hat.

Schwere Verantwortung

In Deutschland sind Staat und Kirche getrennt. Getrennt bedeutet jedoch nicht, dass sie beziehungslos wären. Gesetze und Verträge regeln die Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Das Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung gilt für die gesamte Bevölkerung und damit auch für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Das Soldatengesetz garantiert im Paragraph 36: „Der Soldat hat einen Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung. Die Teilnahme am Gottesdienst ist freiwillig.“

„Wie diese gesetzlichen Vorgaben im Jahr 60 nach Gründung der Katholischen Militärseelsorge konkret gestaltet werden, hat Jürgen Kappel in seinem vorliegenden Buch anschaulich beschrieben“, urteilt der leitende Militärdekan Joachim Simon. „Es ist interessant, der Blickrichtung des Journalisten zu folgen, der die Aktivitäten der Militärseelsorge über mehrere Jahre begleitet hat.“

Das Ergebnis, so Simon im Vorwort, sei weder eine wissenschaftliche Abhandlung noch ein Lehrbuch für Insider, die mit militärischen und kirchlichen Gepflogenheiten gut vertraut sind. „Der Verfasser nimmt den Leser auf seinem leicht verständlichen und gleichwohl informativen Streifzug mit durch den erstaunlich vielfältigen Dienst der ›Kirche unter den Soldaten‹“, erklärt der katholische Militärdekan.

Buchtipp:
Jürgen Kappel
"Im Einsatz für den Frieden"
180 Seiten, 19,90 €
Bonifatius-Verlag, ISBN 978-3-89710-659-8

Wie die Militärgeistlichen die Menschen, denen der Staat mit dem Waffendienst eine besonders schwere Verantwortung auferlegt hat, seelsorglich begleiten, stellt Kappel eindrucksvoll dar. Der Autor hat Einsatzgebiete auf dem Balkan und in Afghanistan besucht und dort sowohl mit Seelsorgern als auch Soldaten gesprochen. Im Buch kommen viele von ihnen bewegend zu Wort.

So wird die gegenwärtige Praxis der Militärseelsorge aus verschiedenen Perspektiven illustriert. Auch gibt der Autor Einblicke in den Dienstalltag der deutschen Streitkräfte, in denen die Militärgeistlichen zwar als Angehörige der Bundeswehr, aber nicht als Soldaten dienen.

Im Mittelpunkt stehen Reportagen über Afghanistan, über den „fast vergessenen Einsatz“ im Kosovo und die Geschehnisse um die Rettung hunderter Flüchtlinge durch den Einsatzgruppenversorger „Berlin“ vor der afrikanischen Küste im Mittelmeer. Eine Reportage über die jährliche internationale Soldaten-Wallfahrt nach Lourdes demonstriert, wie junge Menschen – oft durch lebensbedrohliche Situationen – einen neuen Blick auf den Glauben als stärkende Kraft in ihrem Leben gewinnen und ihren Frieden wieder finden.

„Kappels aktuelle Bestandsaufnahme ist keine vollständige Dokumentation der Militärseelsorge im Jubiläumsjahr und will es auch nicht sein“, schreibt Simon weiter im Vorwort. „Sie kann aber als Orientierungshilfe dienen und neue Impulse geben für unsere Kirche, die sich den gesellschaftlichen Veränderungen seit Gründung der Bundeswehr stellen und mit einer zeitgemäßen Seelsorge ihren Beitrag zur Betreuung und Begleitung der Soldatinnen und Soldaten mit ihren Familien leisten will“.