Misereor-Fastenaktion wird am 5. März eröffnet

Mini-Molkerei bringt ein Dorf voran

Wasser ist kostbar und knapp in der Hitze von Burkina Faso, das wissen die Frauen und Männer aus einem Dorf in der Nähe des Städtchens Gonponsum. Sie setzen die Ressource behutsam ein. Mit ihren Hacken heben die Männer Bewässerungskanäle aus, um  Wasser des nahegelegenen Staudamms über das Feld zu verteilen. Aus dem staubtrockenen Boden wird Ackerland, das die Frauen bestellen. Zwiebeln, Tomaten, Kohl, Auberginen – all das gedeiht unter der Sonne Westafrikas, die auch im Winter für bis zu 36 Grad Celsius sorgt.

In ihrem gelben Kleid steht Assieta Zida am Rand eines Zwiebelfeldes. Die 50-Jährige ist stolz auf das, was sie und die anderen Kleinbauern erreicht haben. „Früher hatten wir Frauen nicht viel zu tun, wir sind nur zu Hause gewesen und haben uns um das Essen gekümmert“, erinnert sie sich. Doch seit der Ackerbau besser läuft, hat sich ihr Leben verändert: „Jetzt können wir die Kinder zur Schule schicken und uns selbst Dinge leisten.“

Verbesserungen Schritt für Schritt

Es sind keine Revolutionen, die passiert sind – in jener Region, wo viele Kinder aus Kapazitätsgründen nur zwei Jahre zur Schule gehen können. Wo die Frauen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu den sieben Kilometer entfernten Feldern gelangen. Wo es erst seit 2016 Elektrizität gibt, und das auch nur in wenigen Läden entlang der Hauptstraße. Vielmehr hat sich die Lage der Kleinbauern Schritt für Schritt verbessert – dank des Staudamms, den ein reicher Einwohner weitgehend finanziert hat, aber auch, weil sich die Menschen auf landwirtschaftliche Innovationen eingelassen haben. Innovationen, wie sie die Partnerorganisationen von Misereor unter die Menschen bringen.

Für seine diesjährige Fastenaktion hat das Entwicklungshilfswerk Burkina Faso zum Beispielland erklärt. Es ist einer der zehn ärmsten Staaten der Welt. Vier von fünf Einwohnern sind in der Landwirtschaft tätig, die von einfachsten Produktionsbedingungen und geringen Erträgen geprägt ist.

Workshops für Kleinbauern und Wissenschaftler

Misereor ist in dem erst 1960 aus französischer Kolonialregierung entlassenen Staat seit gut 50 Jahren engagiert. Die Deutschen setzen dabei auf die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Organisationen.

Diese bieten Workshops für Kleinbauern und Wissenschaftler an. Ziel ist ein Lernprozess. Die Bauern tauschen sich untereinander über bessere Anbaumethoden aus und schließen sich in Forschungsgruppen mit Agrarexperten zusammen. So konnten pflanzliche Mittel gegen Tierseuchen entwickelt werden.

Unternehmergeist der Frauen

Eine Partnerorganisation hat im Dorf Tambolo nahe der Grenze zu Ghana eine Minimolkerei gebaut. Dort sind viele Menschen Halbnomaden und halten Kühe. Wegen der Hitze hält sich die Milch ungekühlt maximal vier Stunden, weshalb sie früher nur schlecht vermarktet werden konnte. Nun wird sie zu Joghurt verarbeitet und damit haltbar gemacht.

Im Schnitt 42 Liter am Tag – das ist der Ertrag des kleinen Betriebs, der ausschließlich von den Frauen des Orts in Schichtarbeit betrieben wird – denn für die Kühe sind traditionell die Frauen zuständig. Der Unternehmergeist der Frauen erhöht allmählich ihre soziale Stellung.