Wie Frauke Willers die Messdienerarbeit im oldenburgischen Ahlhorn erfolgreich neu angestoßen hat

Ministranten in der Diaspora - kleine Zahlen und weite Wege

„Gruppenstunden nach dem Üben für die Ostermesse? Frauke Willers lächelt und schüttelt den Kopf. „So etwas gab es hier in Herz Jesu nicht.“ Sie schränkt ein: „Früher jedenfalls.“ Vor 16 Jahren, als sie mit neun Jahren bei den Ahlhorner Messdienern anfing.

„Wir waren immer nur wenige“, sagt die 24-Jährige Studentin. „In guten Jahren zwei Dutzend, in mageren auch schon mal unter zehn.“ Oldenburgische Diaspora auf dem Land – das bedeute eben: kleine Zahlen und weite Wege in einer Gemeinde in der Minderheit.

In Ahlhorn ist nur jeder Siebte katholisch

Nur jeder siebte ist hier oben katholisch, zwischen Cloppenburg und Oldenburg, in dem Dreieck, das die Autobahnen 1 und 29 bilden. Die 2000 Gemeindemitglieder verteilen sich auf drei Dörfer: Ahlhorn, Huntlosen und Großenkneten.

Frauke Willers' Elternhaus zum Beispiel steht sieben Kilometer von der Kirche entfernt. Wie kommt man da überhaupt auf den Gedanken, Messdienerin zu werden?

Reli-Unterricht vor Ort gibt es nicht

Jedenfalls nicht über den Religionsunterricht in der Grundschule. „Katholischen Religionsunterricht gibt es in den Großenknetener Grundschulen  schon lange nicht mehr“, weiß Frauke Willers von ihrer neunjährigen Schwester. „Ich selbst war im letzten Jahrgang, der noch welchen hatte, gemeinsam für die katholischen Kinder aus mehreren Klassen.“

Zum Messdienen fand sie stattdessen über die Sonntagsgottesdienste, zu denen ihre Mutter sie regelmäßig mitnahm. „Für mich war es selbstverständlich, da mitzukommen. Und ich wollte auch eine Aufgabe haben.“ Also zeigte sie auf, als der damalige Pfarrer in die Runde fragte: „Wer möchte Messdiener werden?“, beim Frühstück montags nach dem Dankgottesdienst zur Erstkommunion.

Nach der Erstkommunion wurde sie Messdienerin

Ab dem Moment war sie dabei – und stand bald öfter als geplant in Messdiener-Dienstkleidung neben dem Pfarrer. „Ich war ja jeden Sonntag mit meiner Mutter in der Kirche. Und wenn dann jemand ausfiel, hieß es: Frauke, komm aus der Bank, wir brauchen Dich.“

Gebraucht wurde Frauke Willers nicht nur im Gottesdienst. Mit dreizehn Jahren organisierte sie zum ersten Mal die Fahrt zum „Pfingstfestival“, einem überregionalen Messdienertreffen im Haus Don Bosco der Salesianer in Calhorn bei Cloppenburg.

Pfingsten zelten die Messdiener in Calhorn

„Wir sind die dreißig Kilometer mit dem Rad dahingefahren. Das Gepäck kam mit dem Bulli nach.“ Mal zu siebt und mal mit 20 Teilnehmern. „Und es war ein tolles Gefühl zu spüren, dazuzugehören.“

Dennoch: Das Pfingstfestival in Calhorn und die jährliche Adventsfeier mit Filmvorführung und gemeinsamem Essen – das waren anfangs die einzigen Termine für Messdiener neben den Einsätzen am Altar. Frauke Willers spürte früh: Das ist zu wenig.

Frauke Willers nahm die Sache in die Hand

Sie wusste schließlich aus der Schönstatt-Mädchenjugend, wie wichtig für ein Gemeinschaftsgefühl regelmäßige Gruppenstunden sein können. Aber es dauerte bis zur Fusion mit der 15 Kilometer

 „Unsere Gemeinde musste sich damals ja ganz neu ausrichten, zeitweise ohne Pfarrer vor Ort.“ Gemeinsam mit einem anderen Mädchen übernahm Frauke Willers fortan die Ausbildung des Messdiener-Nachwuchses und dachte sich Aktionen aus.

Ahlhorner sind mit anderen Messdienergruppen vernetzt

Die Messdiener gestalteten einen eigenen Raum im Pfarrheim, und sie begann sie damit, Gruppenstunden für Messdiener zu entwerfen, einmal im Monat, am Freitagnachmittag. Mit 18 oder 19 Jahren übernahm sie dann  noch das Ferienlager der Gemeinde und machte es zu einer Messdiener-Aktion. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. „Man merkte, dass ein neuer Schwung aufkam. Die Messdiener kannten ein­ander besser und kamen regelmäßiger.“

Aber könnte man vielleicht noch mehr organisieren? Vielleicht zusammen mit Messdienern aus anderen Gemeinden? Die Antwort lautete: Ja und nein. Bei Begegnungen mit anderen Gemeinden fiel ihr auf: Große Messdienergemeinschaften haben genug mit sich selbst zu tun – und deshalb weniger Interesse an gemeinsamen Aktionen. Die kleinen aber dafür umso mehr. „Wir haben daraufhin begonnen, zuerst mit in Bühren eine Aktion zu organisieren. Das passte super.“

Messdiener haben eigene Pullis

Kooperationen half auch bei den Rom-Wallfahrten der Messdiener. Mal fuhren sie und ein paar andere aus Ahlhorn mit den Messdienern aus der Stadt Oldenburg in die Ewige Stadt, mal saß sie mit den Visbekern und Cappelnern in einem Bus und zuletzt wieder mit Ministranten aus Oldenburg und Nordenham.

Sie und die anderen aus ihrer Gemeinde haben dabei meist ihr Erkennungszeichen an: Pullover mit der Aufschrift „Messdiener Herz Jesu Ahlhorn“. Den hat sie auch als Schülerin oft getragen. Wurde sie schon mal darauf angesprochen oder gar kritisiert? Frauke Willers schüttelt den Kopf. „Ich war ja auf der Liebfrauenschule in Oldenburg, einem katholischen Gymnasium.“ Da musste nicht erklären, was Messdiener sind. „Aber es gab schon mal die Anfrage, warum ich da mitmache.“

Frauke Willers ist Expertin für Weihrauch

Sie hat keine Probleme, das zu  beantworten. Kirche ist ihr wichtig. Mittlerweile studiert Frauke Willers Theologie in Münster. Und sieht wohlwollend, wie gut die Messdienerarbeit in Ahlhorn sich entwickelt hat, auch ohne dass sie ganz eng damit zu tun hat.

Sie strahlt: „Das Konzept scheint zu funktionieren.“ Die Messdienerschaft wächst. Mittlerweile gehören mehr als 30 dazu. Eine achtköpfige Oberrunde organisiert das Programm. Ostern kommen drei neue dazu.

Bei Bedarf springt Frauke Willers noch ein

„Die Eltern fragen nach, weil sie etwas für ihre Kinder suchen.“ Anfragen kommen zum Beispiel nach der traditionellen Übernachtung der Kommunionkinder im Pfarrheim, die die Messdiener in jedem Jahr organisieren.

Frauke Willers ist mittlerweile eher als Organistin denn als Messdienerin in Ahlhorn im Einsatz. Aber wenn Not am Mann ist, springt sie ab und zu immer noch ein. Zum Beispiel, wenn ihre Kenntnisse in Sachen Weihrauch gebraucht werden, wie zuletzt bei der Firmung. Und wenn es heißt: „Frauke, wir brauchen dich!“