Tönnies habe „mitnichten reale Probleme angesprochen“

Misereor kritisiert Afrika-Aussagen von Clemens Tönnies

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor kritisiert die Afrika-Aussagen des Fleisch-Unternehmers Clemens Tönnies, Aufsichtsrats-Chef beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04, scharf. Sie seien „zweifellos von rassistischen Stereotypen geprägt“, sagte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Tönnies habe „mitnichten reale Probleme angesprochen“.

Tönnies hatte im Zusammenhang mit Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel gesagt, man solle lieber 20 Kraftwerke in Afrika pro Jahr finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn es dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Für die Äußerungen bat er später um Entschuldigung. Derzeit lässt er sein Schalker Amt drei Monate ruhen.

Verantwortung der Europäer für Zustände in Afrika

Misereor-Experte Bröckelmann-Simon sagte, der afrikanische Regenwald verschwinde nicht wegen fehlender Kraftwerke, sondern wegen „anhaltendem Holzeinschlag“, der Ausbeutung von Rohstoffvorkommen und vordringender Plantagenwirtschaft. All dies geschehe für den europäischen Markt: „Fassen wir uns also getrost an unsere arrogante eigene Nase.“

Die komplexe Frage des Bevölkerungswachstums in Afrika auf eine „angebliche Triebhaftigkeit seiner Bewohnerinnen und Bewohner“ zurückzuführen, nannte Bröckelmann-Simon „unerträglich“. Zudem „belasten gerade wir hier unser globales Ökosystem ungleich viel mehr als die Afrikanerinnen und Afrikaner. Auch das gehört auf den Tisch, wenn wir wirklich ernsthaft über Überbevölkerung auf dem Globus reden wollen!“