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Eine Studie legt Kosten dar, die der Einkaufspreis von Kaffee nicht abdecke. Was das für den Ladenpreis bedeuten sollte.
Jedes Kilo Rohkaffee müsste nach Misereor-Angaben rund acht Euro teurer sein, um ökologische und soziale Schäden abzufedern. Beim Kaffeeanbau entstünden erhebliche externe Kosten, die über den Einkaufspreis nicht abgedeckt würden, erläutert das katholische Entwicklungshilfswerk bei der Vorstellung einer Studie dazu.
Die Umweltfolgekosten betrügen im Durchschnitt rund 7,20 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee und entstünden vor allem durch Treibhausgasemissionen, Belastungen von Böden und Gewässern sowie Gesundheitsrisiken in der Produktion, lautet das Fazit der Untersuchung. Sie nimmt Uganda in Afrika und Honduras in Lateinamerika als Beispiele.
Müsste also der Ladenpreis für Kaffee steigen?
Hinzu kämen soziale Folgekosten zwischen 0,45 und 1,60 US-Dollar pro Kilogramm. Das umfasse insbesondere niedrige Einkommen, unsichere Arbeitsbedingungen sowie Defizite bei Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung. Viele Kaffeebäuerinnen und -bauern erzielen so kein existenzsicherndes Einkommen.
Deutsche Unternehmen müssten sich stärker für die Beseitigung der Missstände im Kaffeeanbau einsetzen, fordert Misereor. Es sei jedoch keine akzeptable und realistische Lösung, dass Konsumentinnen und Konsumenten die „wahren Kosten“ über erhöhte Preise tragen, so Misereor-Referent Wilfried Wunden. Stattdessen schlägt die Studie vor, dass Firmen Rückstellungen für die versteckten Kosten erstellen und faire Produktionsbedingungen von Anfang an in ihren Kalkulationen berücksichtigen.
Nachhaltige Produktion
Auf politischer Ebene könnten mehr Transparenz- und Berichtspflichten dazu beitragen, nachhaltige Produktionsweisen zu fördern und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, heißt es in der Studie. Langfristig könnte das bewirken, dass nicht-nachhaltige Produkte teurer und nachhaltige Alternativen relativ günstiger würden.
Die Studie der Technischen Hochschule Nürnberg entstand im Rahmen des Projekts „True Cost Alliance“, in dem Misereor gemeinsam mit der Denkfabrik „TMG Think Tank for Sustainability“ und der Hochschule an Methoden zur Erfassung der Kosten in Ernährungssystemen arbeitet.