214,4 Millionen Euro eingenommen, 23.000 neue Spender gewonnen

Misereor zieht trotz Rekordeinnahmen eine gemischte Bilanz

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor hat im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen von 214,6 Millionen Euro verzeichnet. Davon kamen 143,1 Millionen Euro aus Mitteln des Entwicklungsministeriums, im Jahr davor waren es 139,1 Millionen, wie Misereor am Donnerstag auf seiner Bilanzpressekonferenz in Köln mitteilte.

Der Leiter der bei Misereor angesiedelten Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe, Karl Jüsten, zog trotzdem eine gemischte Bilanz. Einerseits sei es ausdrücklich zu würdigen, dass die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen seien. Andererseits bleibe aber schwer nachvollziehbar, dass die Gelder schon ab 2020 wieder reduziert werden sollen. „Langfristige Entwicklungszusammenarbeit braucht Planungssicherheit, um dauerhaft Wirkung entfalten zu können“, betonte Jüsten.

Zehn Millionen Euro mehr an Spenden

Einen Zuwachs gab es für Misereor auch bei den Spenden. Sie stiegen im Vergleich zu 2016 um fast zehn Millionen auf 63,1 Millionen Euro. Misereor-Chef Pirmin Spiegel führte dies unter anderem auf die gute konjunkturelle Lage in der Bundesrepublik zurück. Außerdem habe das Hilfswerk im vergangenen Jahr 23.000 neue Einzelspender hinzugewinnen können. „Wir sehen das als Wertschätzung unserer Arbeit“, so Spiegel.

Mit Blick auf den trockenen Sommer und die Lage der Landwirtschaft in Deutschland forderte Spiegel in seiner Rede eine Agrarwende. Massive Ernteverluste durch die monatelange Dürre hätten auf drastische Weise die Gefahren des Klimawandels vor Augen geführt. Darauf sei die Gesellschaft im Allgemeinen und die Landwirtschaft im speziellen nicht ausreichend vorbereitet.

Landwirtschaft schafft sich selbst Probleme

„Einerseits trägt die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrer Ausrichtung auf Massenproduktion und dem intensiven Einsatz von fossilen Grundstoffen in vielen Bereichen selbst einen hohen Anteil an der globalen Erwärmung, auf der anderen Seite macht gerade dies sie selbst anfällig für die Probleme bei extremen Wetterlagen“, erläuterte Spiegel.

Er sprach sich für einen auf die veränderten Bedingungen angepassteren Anbau von Feldfrüchten, weniger Monokulturen und einen stärkeren Schutz der Artenvielfalt aus. Dies sei im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen unabdingbar, so Spiegel.

Mit einem Großteil des Geldes unterstützte das weltweit größte kirchliche Werk für Entwicklungszusammenarbeit die Menschen in mehr als 90 Ländern. Zu den Schwerpunkten gehörten die städtische und ländliche Entwicklung sowie die Menschenrechtsarbeit. Der Anteil von Aufwendungen für Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung betrug 2017 wie im Jahr zuvor 5,9 Prozent am Gesamtetat.