Verstorbener Priester soll Taten fotografiert haben

Missbrauch: Bistum Trier weitet Aufarbeitung im „Foto-Fall“ aus

  • Nach dem jüngsten Fall von Missbrauch im Bistum Trier will die Diözese die Aufarbeitung ausweiten.
  • Am Wochenende seien weitere Hinweise und Vorwürfe bekannt geworden.
  • Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg wurde mit der Koordination des Falls beauftragt.

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Im Fall eines 2022 gestorbenen Priester aus dem Bistum Trier, der jahrzehntelang Missbrauch begangen und dies in Fotos dokumentiert haben soll, will das Bistum die Aufarbeitung ausweiten. Durch neue Meldungen nach Medienberichten werde deutlich, dass es nicht ausreiche, nur die Aufarbeitungskommission mit dem Fall zu befassen, erklärte das Bistum am Montag.

Am Wochenende seien Hinweise auf weitere Vorwürfe aus den 1960er und 1970er Jahren eingegangen. Es gebe auch Hinweise auf ein Doppelleben des Priesters unter falschem Namen in Afrika.

Bischof Stephan Ackermann beauftragte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg mit der Koordination und dem Zusammentragen vorhandener und neuer Informationen. Betroffene oder Zeugen mögen sich bei den Ansprechpersonen des Bistums melden, bittet der Bischof. Geprüft werde auch, wie mögliche Betroffene aus Afrika erreicht werden könnten.

Bistum Trier: Beschuldigter Priester Teil der Missbrauchsstudie

Der Generalvikar will auch mit dem saarländischen Bildungsministerium die Möglichkeit einer gemeinsamen, unabhängigen Kontaktstelle für mögliche Betroffene prüfen. Ministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hatte zuvor kritisiert, vom Bistum nicht informiert worden zu sein. Der Pries­­ter war bis 1999 rund 20 Jahre an einem Gymnasium im Saarland eingesetzt, obwohl es Anfang der 1970er Jahre Hinweise auf übergriffiges Verhalten gegeben haben soll.

Von Plettenberg will auch mit der Aufarbeitungskommission sprechen. Sie könne womöglich Unterlagen zur Verfügung stellen. Die mutmaßlichen Taten des Priesters fallen teils in die Amtszeit (1967-1981) von Bischof Bernhard Stein (1903-1993), zu der eine Studie vorliegt. Der Vorsitzende der Aufarbeitungskommission und frühere rheinland-pfälzische Justizminister Gerhard Robbers sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, der beschuldigte Priester sei anonymisiert Teil der Studie.

Neffe findet Fotos im Haus des Priesters

Ansprechpersonen des Bistums Trier sind über dessen Internetseite zu finden. Hinweise auf Missbrauchstaten können per Mail ab 18. April gegeben werden an intervention(at)bistum-trier.de

Robbers wies den Vorwurf zurück, zur Vernichtung der in dem Fall gefundenen kinderpornografischen Bildern aufgefordert zu haben: „Ich habe nicht dazu geraten, das Material zu verbrennen.“ Im Gespräch mit dem Neffen des Beschuldigten habe er auf die Rechtslage hingewiesen und gesagt, man müsse das Material zügig an eine zuständige Stelle geben oder vernichten. Die „Rhein-Zeitung“ zitiert den Neffen mit dem Satz, Robbers habe ihm geraten, die belastenden Fotos zu verbrennen.

Der Neffe des Priesters hatte im Haus des Verstorbenen Kis­­ten mit teils pornografischen Fotos und Filmen gefunden. Sie zeigten teilweise auch Minderjährige. Die Aufnahmen sollen von den 1960er Jahren bis in die 2000er Jahre reichen. Der Neffe informierte daraufhin Ackermann und sprach auch mit Robbers über den Fall.

Priester auch als Religionslehrer aktiv

Der Priester wurde laut Bistum 2012 sanktioniert, durfte keine Messen feiern und der Umgang mit Jugendlichen wurde ihm verboten. Zuvor genoss er hohes Ansehen: Wegen seines Engagements für Afrika wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er war als Seelsorger in verschiedenen Gemeinden im Saarland und in Rheinland-Pfalz tätig und an Schulen eingesetzt. Ab 1970 war er laut Bistum Trier zum Studium in Köln beurlaubt und in Nordrhein-Westfalen einige Jahre auch als Religionslehrer und Hausgeistlicher aktiv.

Der Vorsitzende der Trierer Missbrauchs-Aufarbeitungskommission und frühere rheinland-pfälzische Justizminister Gerhard Robbers sieht "vage Hinweise", dass es im Umfeld des beschuldigten verstorbenen Priesters "einen Kinderschänderring gegeben haben könnte". Es sei daher wichtig, dass sich die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit dem Thema befasse, sagte Robbers im SWR am 19. April. | KNA