KFD-Veranstaltung in Münster-Albachten

Missbrauch: Christen denken über Austritt nach

„Zweifeln – wer hat das nicht schon gemacht?“, eröffnete Moderatorin Karin Weglage den Diskussionsabend „Zweifelnde Christen – Warum bleiben wir noch in der Kirche?“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) in Münster-Albachten.

Brigitte W. (Name auf Wunsch anonymisiert, d. Red.) aus Albachten erzählte, dass sie bereits beim ersten Missbrauchsskandal 2010 viel darüber nachgedacht hat, aus der Kirche auszutreten: „Das ging erstmal unter, aber jetzt, seitdem die neue Missbrauchsstudie bekannt ist, frage ich mich wieder, ob ich Teil der römisch-katholischen Amtskirche sein muss.“

Die Rolle der Frau

Dabei geht es der Christin nicht um ihren persönlichen Glauben: „Ich bin katholisch erzogen worden, und es betrifft auch nicht mein Katholikin-Sein. Aber soll ich dort bleiben, wo ich als Frau kein Mitspracherecht habe? Schon in meinem Studium haben wir von so viel geträumt und es eingefordert. Doch es hat sich bis heute nichts getan – und das ist mittlerweile 25 Jahre her.“

An der Diskussion nahmen auch Martin Sinnhuber und Timo Weissenberg teil, beide Priester der Pfarrei St. Liudger. Sie zeigten sich erschüttert vom Missbrauch in der katholischen Kirche und erzählten, dass auch sie selbst im persönlichen Kontakt mit Opfern stehen und sie begleiten.

Kirche muss sich öffnen

„So etwas schneidet tief in das Leben der Opfer ein, und das geht mir nahe. Da frage ich mich, was sich an Struktur und der Grundhaltung in der Kirche ändern muss“, sagte Weissenberg und wünschte sich eine Kirche, die nach ihrer eigenen Umkehr fragt.

Sinnhuber bezeichnete die Taten als „tief eingreifend, auch im Verhältnis zu sich selbst und Gott“. Es mache ihn wütend, „wenn Tätern mehr Glauben geschenkt wird als Opfern“. So sei es für die Kirche eine „Gefahr, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Wir müssen uns denen öffnen, die darunter gelitten haben.“

Änderung der Strukturen

In der anschließenden Diskussion waren sich die Besucher des Diskussionsabends einig, dass die Kirche sich auf die Opfer konzentrieren muss, anstatt die Täter zu schützen. Sie zeigten sich empört über den Machtmissbrauch vieler Geistlicher, der die Vertuschung zur Folge hatte.

Auch müssten sich die Strukturen dringend ändern. So plädierte die Mehrheit für die Gleichstellung von Frau und Mann in der katholischen Kirche und die Freistellung des Zölibats. Ob sich dann aber etwas im Missbrauch ändern würde, bezweifelten die meisten, da es auch in nicht-kirchlichen Einrichtungen, wie zum Beispiel Heimen, schockierende Missbrauchsfälle gegeben hat.

Die Idee zum Diskussionsabend hatte die KFD St. Ludgerus Albachten, nachdem in „Kirche+Leben“ in der Ausgabe vom 14. Oktober 2018 eine Doppelseite erschienen war, auf der Katholiken aus dem Bistum erzählten, was der Missbrauch mit ihrem Verhältnis zur Kirche macht.