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„Bild-Zeitung“ berichtet über einen Fall im Erzbistum Köln

Missbrauch: Erzbischof Heße weist erneute Vertuschungsvorwürfe zurück

  • Wie die „Bild-Zeitung“ berichtet, soll Heße in seiner Zeit im Erzbistum Köln einen Missbrauchs-Täter geschützt haben.
  • Heße weist die Darstellung zurück.
  • Heutiger Hamburger Erzbischof trug früher Personalverantwortung in Köln.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße weist erneute Vorwürfe zurück, sexuellen Missbrauch vertuscht zu haben. „Ich schließe für mich aus, einem Vorgehen zugestimmt zu haben, bei dem in Fällen sexuellen Missbrauchs von Gesprächsinhalten keine Protokolle angelegt oder gar Protokolle, Akten oder Gesprächsnotizen im Zweifel vernichtet werden sollen“, sagte Heße der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg.

Wie die „Bild-Zeitung“ berichtet, soll der frühere Personalchef des Erzbistums Köln einen Priester geschützt haben, der sich zwischen 1993 und 1999 mehrfach an seinen damals zwischen sechs und 13 Jahre alten Nichten vergangen haben soll. Die Staatsanwaltschaft Köln hat am 31. Juli Anklage gegen den Beschuldigten erhoben, wie ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte. Zum Missbrauch sei es laut der 22-seitigen Anklageschrift beim Computerspiel, Fernsehen sowie in der Badewanne gekommen, darunter ein Beischlaf-Fall und zwei weitere schwere Fälle.

Die Quelle der „Bild“

„Bild“ zitiert aus einer nicht näher genannten Quelle eine Gesprächsnotiz des Erzbistums Köln vom 3. November 2010. Danach soll der beschuldigte Pfarrer „im Generalvikariat in einem Gespräch alles erzählt“ haben. „Es sollte über dieses Gespräch jedoch bewusst kein Protokoll angefertigt werden, weil befürchtet wurde, dass dies dann beschlagnahmefähig wäre“, so die Quelle laut „Bild“. „Aus diesem Grund sollten nur handschriftliche Notizen existieren, die notfalls vernichtet werden könnten. Herr Prälat Dr. Heße gibt zu diesem Vorgehen sein Einverständnis.“

Der Erzbischof weist die Darstellung zurück. Das Nichtanfertigen oder Vernichten von Protokollen, Akten oder Gesprächsnotizen „widerspricht nicht nur zutiefst meiner Überzeugung bei der Frage der Aufklärung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, sondern auch meinem jahrzehntelangen Handeln in dieser Frage“, so Heße.

Im umstrittenen Fall ermittelt auch der Vatikan

Laut der Boulevardzeitung hat die Staatsanwaltschaft Köln bereits 2010 in dem Fall ermittelt. Das Verfahren sei eingestellt worden, nachdem die Opfer ihre Anzeige zurückgezogen hätten - angeblich wegen familiären Drucks. Mitarbeiter des Erzbistums sollen erfahren haben, dass der beschuldigte Priester 3.000 D-Mark „Schweigegeld“ an die Mutter der Opfer gezahlt habe. Außerdem soll sich die Diözese mit 3.000 Euro an seinen Anwaltskosten beteiligt haben. Der Geistliche, der laut Bericht zunächst beurlaubt worden war, soll bald wieder in der Krankenhausseelsorge eingesetzt worden sein.

Nach einer kircheninternen Prüfung möglicher alter Missbrauchsfälle untersagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki dem Pfarrer im April 2019 die Ausübung seines priesterlichen Dienstes, teilte das Erzbistum Köln auf Anfrage mit. Gleichzeitig sei die vatikanische Glaubenskongregation informiert worden, später auch über die Anklageerhebung.

Studie im Erzbistum Köln

Im September waren Teile einer bisher unveröffentlichten Studie zu sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese bekanntgeworden. Darin wird Heße eine „indifferente“ und „von fehlendem Problembewusstsein“ geprägte Haltung gegenüber dem Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker vorgeworfen. Der heutige Erzbischof von Hamburg hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen. Sicher seien auch ihm Fehler passiert, sagte er. Aber er könne ausschließen, dass er jemals versucht habe, Täter zu schützen oder Taten zu vertuschen. Heße war ab 2006 Personalchef und von 2012 bis 2015 Generalvikar im Erzbistum Köln.

(Update 16.50 Uhr: Reaktion Erzbistum Köln im vorletzten Absatz.)

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