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Geistlicher räumt persönliche Schuld und große Fehler ein

Missbrauch: Erzbischof Zollitsch bittet Betroffene um Verzeihung

  • Der frühere Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat große Fehler im Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt eingeräumt.
  • Die Betroffenen selbst hat Zollitsch um Verzeihung gebeten.
  • Robert Zollitsch war elf Jahre Erzbischof und sechs Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
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Der frühere Bischofskonferenz-Vorsitzende und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat nach langem Schweigen große Fehler und persönliche Schuld im Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt und Missbrauch in der katholischen Kirche eingeräumt.

In einem am Donnerstag in Freiburg veröffentlichten neunminütigen Video bittet Zollitsch die Opfer und ihre Familien um Verzeihung, „für das zusätzliche Leid, das Ihnen mein Verhalten bereitet hat“. Er wisse, dass er nicht erwarten könne, dass sie seine Entschuldigung annähmen.

Zollitsch habe Missbrauch „intern“ behandelt

Zollitsch sagte, er sei Missbrauchsbetroffenen nicht mit ausreichender Anteilnahme begegnet. „Ich habe das große Ausmaß und vor allem die Folgen für die Betroffenen der Verbrechen sexualisierter Gewalt und des Missbrauchs nicht erfasst und der Wahrheit nicht in die Augen geschaut.“

Auch habe er es versäumt, Missbrauchsfälle offenzulegen und stattdessen versucht, Missbrauchsvorwürfe „intern“ zu behandeln. Er habe fälschlicherweise zu sehr das Wohl der Kirche und zu wenig die Fürsorge und Anteilnahme für die Betroffenen im Blick gehabt. Zu lange, so der 84-Jährige, sei er im Umgang mit Missbrauchstätern „zu naiv und zu arglos“ gewesen, indem er den Aussagen und Versprechungen von Tätern „nur allzu gerne geglaubt“ habe. Zollitsch sprach von „gravierenden Fehlern“, die er „von ganzem Herzen“ bereue.

Persönliche Verantwortung für Schweigen

Im zweiten Teil des Videos argumentiert Zollitsch, er sei als Verantwortlicher im Erzbistum Freiburg eingebunden gewesen in ein „System, das im Umgang mit sexualisierter Gewalt von einer gewachsenen und einvernehmlich getragenen Kultur des Schweigens und der Verschwiegenheit nach außen, des Korpsgeistes und des Selbstschutzes“ geprägt gewesen sei. Er übernehme die persönliche und moralische Verantwortung, so Zollitsch. Er verwies zugleich darauf, dass er immer im Austausch mit anderen Leitungsverantwortlichen im Bistum gestanden habe.

Zollitsch sagte zu, er wolle künftig zur weiteren Aufarbeitung von Missbrauch beitragen. Diejenigen, die Leid und Missbrauch erfahren haben, müssten „Gehör, Anerkennung und Unterstützung“ der Kirche finden. Er kritisierte, „allzu lange ohne Erfolg“ um Akteneinsicht in die laufende Aufarbeitung des Bistums gebeten zu haben.

Missbrauchsstudie verschoben

Die Diözese arbeitet seit mehreren Jahren an einer Studie, die Missbrauch und dessen Vertuschung dokumentieren und aufarbeiten soll. Zuletzt war die für Oktober geplante Veröffentlichung auf April verschoben worden. Dem Vernehmen nach wollen sich die Autoren gegen mögliche Klagen absichern. Die Studie umfasst auch die Jahre, in denen Zollitsch in verschiedenen Funktionen Verantwortung im Erzbistum Freiburg trug. Erzbischof Stephan Burger hat eine Veröffentlichung der Studie zugesagt. Erarbeitet wurde sie durch vom Bistum unabhängige Experten.

Bis zuletzt war unklar, wie sich Zollitsch zu der Untersuchung verhält. Seit 2010 wurden ihm öffentlich Fehlverhalten bei mehreren Missbrauchskomplexen vorgeworfen. So hat im Fall Oberharmersbach ein Priester über Jahre Dutzende Jugendliche missbraucht. Zollitsch selbst hatte Fehler zugegeben, ein breites Schuldeingeständnis aber vermieden.

Mehr als 30 Jahre in Leitungspositionen

Zollitsch leitete das Erzbistum Freiburg von 2003 bis 2014. Zuvor war er 20 Jahre lang Personalchef des Bistums und in dieser Position vielfach mit Menschen befasst, denen Missbrauch zur Last gelegt wurde. Von 2008 bis 2014 war Zollitsch zudem Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Ab 2010 begann die katholische Kirche in Deutschland mit der Aufarbeitung von Missbrauch und sexualisierter Gewalt durch Priester und Kirchenmitarbeitende.

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