EKD

Rückschlag: Evangelische Betroffenen-Sprecherin tritt zurück

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Die Aufarbeitung von Missbrauch in der EKD stockt: Betroffenen-Sprecherin Nancy Janz zieht sich zurück – auch weil sie Fortschritte vermisst.

Die Sprecherin der Betroffenen im Gremium für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche, Nancy Janz, tritt zurück. In einem Interview mit dem evangelischen Magazin „chrismon“ begründete sie ihren Schritt einerseits mit Überlastung durch ihr ehrenamtliches Engagement als Sprecherin des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Diakonie, andererseits mit mangelnden Fortschritten bei der Aufarbeitung und Prävention in der evangelischen Kirche und Diakonie. „Ich muss auf meine Kräfte achten“, sagte sie.

Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ über den Rücktritt berichtet. Mit Janz verliert das Beteiligungsforum innerhalb kurzer Zeit seine zweite prominente Stimme. Bereits im Herbst hatte Detlev Zander sein Sprecheramt niedergelegt und ebenfalls Defizite bei der Aufarbeitung kritisiert. Seitdem war Janz alleinige Sprecherin der Betroffenen.

Janz: Kaum spürbare Fortschritte bei Aufarbeitung

Janz bemängelte in „chrismon“, dass Beschlüsse des Beteiligungsforums nicht in allen 20 evangelischen Landeskirchen umgesetzt werden. „Wir sprechen seit Jahren über dieselben Fragen, und dennoch gibt es an vielen Stellen kaum spürbaren Fortschritt für betroffene Personen. Das tut weh“, sagte sie. „Ich habe oft das Gefühl, dass wir auf landeskirchlicher Ebene oder in diakonischen Verbänden als Alibi genutzt werden, weil man dann sagen kann: Es waren ja Betroffene an der Entscheidung beteiligt.“ Ihr Eindruck sei, dass bei einigen der Willen fehle, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu zeigen.

Janz war seit Gründung des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt in EKD im Jahr 2022 gemeinsam mit Zander Stimme der Betroffenen. Sie leitet zudem die Fachstelle sexualisierte Gewalt in der bremischen Landeskirche. Ursprünglich waren neun Betroffene Mitglieder im Beteiligungsforum, nach mehreren Rücktritten waren es zuletzt sechs aktive Mitglieder. Die Vertreter der Institution sind derzeit mit neun Beauftragten vertreten.

Evangelische Kirche: System für Anerkennungsleistungen nicht einheitlich

Das Beteiligungsforum ist das zentrale Gremium der evangelischen Kirche und ihres Sozialverbandes Diakonie, in dem über die Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt gesprochen wird. Dort wurde zwischen Betroffenen und Vertretern der Institutionen zuletzt etwa verhandelt, nach welchem Verfahren und in welcher Höhe Missbrauchsbetroffene Ausgleichszahlungen von Kirche und Diakonie erhalten sollen. Die Richtlinie ist noch nicht flächendeckend umgesetzt.

Auch das kritisierte Janz und nannte ein Beispiel. „Wir haben ein einheitliches Verfahren für die Anerkennung des erlittenen Leids entwickelt. Es sollte so niedrigschwellig wie möglich sein“, sagte sie. Der Verbund der niedersächsischen Landeskirchen und der bremischen Kirche habe entschieden, dass Betroffene erst Anzeige erstatten und ein staatliches Strafverfahren durchlaufen sollen, bevor sie das kirchliche Anerkennungsverfahren für sich nutzen könnten. Das sei eine sehr große Hürde für Betroffene und das Gegenteil von dem, was das Beteiligungsforum wollte.

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