Früherer Bischof von Hildesheim

Missbrauch: Externe Prüfung der Vorwürfe gegen Bischof

Das Bistum Hildesheim lässt Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen und den pensionierten Priester Peter R. durch unabhängige Gutachter klären. Beauftragt wurde das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), teilte die Diözese am Dienstag (16.08.2016) mit. IPP-Mitarbeiter sollen prüfen, ob es neben den bekannten Verdachtsfällen weitere Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch beide Geistliche gibt.

Zudem sollen die Gutachter den Umgang des Bistums mit den Fällen bewerten. Man erhoffe sich Klarheit, ob es ein institutionelles Versagen gegeben habe, "das die mutmaßlichen Missbrauchstaten erleichtert und deren Verfolgung erschwert hat", so das Bistum.

Mutmaßliche Tat vor mehr als 50 Jahren

Dem 1988 verstorbenen Bischof Janssen soll zwischen 1958 und 1963 einen Jungen missbraucht haben. Das Bistum machte die im Frühjahr 2015 erhobenen Vorwürfe öffentlich, als der "Spiegel" im November berichtete. Betroffenenverbände sprachen von mangelnder Transparenz. Das Bistum erklärte dagegen, das Opfer habe um Verschwiegenheit gebeten.

Der Fall des ehemaligen Pfarrers und verurteilten Missbrauchstäters Peter R. hatte Ende 2015 für Aufsehen gesorgt. Der Priester soll in den 1970er- und 80er-Jahren mindestens 100 Kinder am Berliner Canisius-Kolleg missbraucht haben. Vorwürfen einer jungen Frau aus der Diözese Hildesheim, der Mann habe auch sie als Kind bedrängt, ging das Bistum 2010 nicht konsequent genug nach, wie es einräumte.

Ergebnisse bis 2017

Das IPP soll laut Bistum auch klären, ob Prüfung und Zahlung von 10.000 Euro als materielle Anerkennung für erlittenes Leid an das mutmaßliche Opfer Janssens nach den Vorschriften der Deutschen Bischofskonferenz erfolgte.

Ergebnisse sollen bis Mitte 2017 vorliegen. Das IPP war auch an der Aufarbeitung der Gewalttaten am Internat der Benediktinerabtei Ettal beteiligt.