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Täter ist heute kein Priester mehr

Missbrauch: Früherer Isselburger Pfarrer O. duschte mit Kindern

  • Während seiner Zeit in Isselburg hat Pfarrer O. zwischen 1994 und 2007 nachweislich mehrere Kinder in der Isselburger Pfarrei sexuell missbraucht.
  • Zweimal wurde er zu Bewährungsstrafen verurteilt.
  • Zum Fall O. gab es am Montag einen Informationsabend.
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Während seiner Zeit in Isselburg hat Pfarrer O., wie er in der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster genannt wird, zwischen 1994 und 2007 nachweislich mehrere Kinder in der Isselburger Pfarrei sexuell missbraucht. Zweimal wurde er zu Bewährungsstrafen verurteilt. Zum Fall O. gab es am Montag einen Informationsabend im Pfarrheim St. Bartholomäus, meldet die Bischöfliche Pressestelle.

Der damalige Isselburger Pastoralreferent Josef Peters berichtete, er habe sich mit Beobachtungen 1999 und 2000 an die Bistumsleitung gewandt. Vom früheren Weihbischof für Borken und Steinfurt, Werner Thissen, habe er im Jahr 2000 lediglich den Hinweis bekommen, Pfarrer O. im Blick zu behalten und ihn nach Möglichkeit mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Zuvor habe sich Peters schon ratsuchend beim inzwischen verstorbenen Dompropst Josef Alfers gemeldet, der auch keine weiteren Schritte veranlasst habe.

Entsetzen über Distanzlosigkeit

Im Sommer 1995 sei Pfarrer O. in ein Ferienlager gekommen, das Pastoralreferent Peters verantwortete. O. habe nicht im Zimmer der männlichen Betreuer, sondern im Schlafsaal der Jungen übernachten wollen, so der Pastoralreferent. Über diese Distanzlosigkeit sei Peters entsetzt gewesen.

Ebenso darüber, dass der Pfarrer mit den Kindern duschte, und wie er sich ihnen gegenüber bei Spielen verhielt. Der Pastoralreferent bat O., frühzeitig wieder nach Hause zu fahren, was dieser tat. Danach habe O. keine von Peters geleitete Freizeit für Kinder mehr besucht. O. ist inzwischen laisiert, also kein Priester mehr.

Hinweisgeber verließ die Pfarrei

Wie schwer dem Pastoralreferenten die Konfrontation fiel, beschrieb er: „Er war mein Chef, ich sein Mitarbeiter.“ Ein Zwiespalt, denn seine Verantwortung gegenüber Schutzbefohlenen bestand ja weiter.

Nachdem auf Peters‘ Beobachtungen hin in Münster niemand reagierte, wechselte der Pastoralreferent 2004 als Gefängnisseelsorger nach Kleve. Mit 74 Jahren ist er heute im Ruhestand.

Peter Frings: Noch zu wenige Menschen trauen sich Hinweise zu

Peter Frings, Interventionsbeauftragter des Bistums, bedankte sich am Informationsabend bei Peters: „Wir brauchen mehr Menschen mit Ihrem Mut.“ Viel zu wenige trauten sich „nach wie vor, einen konkreten Verdacht zu äußern und zu dem zu stehen, was sie gesehen haben“.

Ob sich keine Eltern beim Bistum über den Pfarrer beschwert hätten, wollte eine Frau wissen. Frings verneinte, gab allerdings zu bedenken, Schreiben könnten nicht mehr vorhanden sein.

Betroffene sexualisierter Gewalt, die mit ihrem Anliegen Hilfe vom Bistum erhoffen, können sich an eine der Ansprechpersonen wenden: Hildegard Frieling-Heipel (Tel. 0173/1643969), Margret Nemann (Tel. 0152/57638541) und Bardo Schaffner (Tel. 0151/43816695). Die Ansprechpersonen sind unabhängig vom Bistum tätig und zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Sie geben Informationen nur mit dem Einverständnis der Betroffenen weiter.

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