Bischof von Münster zu Bekenntnis des emeritierten Erzbischofs von Hamburg

Missbrauch: Genn dankt Thissen für Übernahme von Verantwortung

Der emeritierte Hamburger Erzbischof Werner Thissen hat in einem Interview mit „Kirche+Leben“ schwere Fehler im Umgang mit sexuellem Missbrauch während seiner Zeit als Verantwortlicher im Bistum Münster eingeräumt. Vor seiner Einführung als Erzbischof von Hamburg im Januar 2003 hatte  Thissen mehr als 20 Jahre Personalverantwortung im Bistum Münster getragen. Von 1978 bis 1986 war er als Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Bischöflichen Generalvikariat in Münster für den Priester-Einsatz zuständig. Von 1986 bis 1999 war er Generalvikar und damit Stellvertreter des Bischofs. 1999 wurde er zum Weihbischof ernannt.

Zu den Äußerungen nimmt der heutige Bischof von Münster, Felix Genn, Stellung. „Kirche-und-Leben.de“ dokumentiert seine Äußerungen im Wortlaut:

„Betroffene sagen uns immer wieder, wie wichtig es für sie ist, zu erfahren, wer von den damaligen Verantwortungsträgern dafür zuständig war, dass die Taten sexuellen Missbrauchs nicht an die Öffentlichkeit kamen und nicht unter Beachtung der Interessen der Betroffenen bearbeitet wurden, sodass Priester, die Kinder und Jugendliche missbraucht hatten, weiter als Priester tätig sein konnten. Indem das so geschah, wurde erst die Möglichkeit geschaffen, dass Priester weiter Kinder und Jugendliche missbrauchen konnten. Werner Thissen bekennt sich zu seinen Fehlern und zu seiner Verantwortung. Dafür bin ich ihm dankbar, weil ich hoffe, dass eine solche Verantwortungsübernahme für Betroffene hilfreich und ein wichtiges Signal sein kann.

Werner Thissen wirft ein ungeschminktes Licht darauf, wie die Verantwortungsträger im Bistum Münster damals entschieden haben. Dass dabei, wie es Werner Thissen selbst sagt, die Betroffenen nicht im Blick waren, bleibt für uns heute unverständlich. Meine Form der Entschuldigung bei den Betroffenen sexuellen Missbrauchs kann nur die sein, dass ich zusage, die Vergangenheit, soweit das überhaupt möglich ist, unabhängig von kirchlichen Instanzen aufarbeiten zu lassen. Hier hoffe ich, dass das Forschungsprojekt der Universität Münster Klarheit bringt – auch im Blick auf konkrete Fälle.

Und ich sage zu, dass wir alles tun werden, um sexuellen Missbrauch künftig möglichst zu verhindern: Das beginnt damit, dass wir bei allen Maßnahmen die Interessen der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen. Es betrifft dann die Priesterauswahl und -ausbildung. Zudem sind umfängliche Präventionsmaßnahmen erforderlich. Und schließlich muss es auch, wie ich das schon mehrfach gesagt habe, zu neuen Formen der Partizipation und zu einer Umverteilung von Macht und Einfluss in unserer Kirche kommen.“