Bischof kündigt Veränderungen bei Machtverteilung und Kontrolle an

Missbrauch: Genn schreibt Pfarreiräten und Kirchenvorständen

Bischof Felix Genn hat erneut Veränderungen bei der Machtverteilung und Kontrolle im Bistum Münster angekündigt. In einem Brief an die Mitglieder der Pfarreiräte und Kirchenvorstände schreibt Genn, nötig sei „eine durchlässigere Kirche, kein geschlossenes System“.

Bei der Lösung zentraler Fragen solle in den Gremien im Bistum „mehr externer Sachverstand“ einfließen, so der Bischof. Das sei hilfreich und entlaste. Zugleich unterstreicht Genn, innerkirchlich gebe es bereits eine „hochkompetente Expertise“.

Genn: Opferperspektive beim Thema Missbrauch zentral

Der Bischof betont, dass externe Fachleute zum Beispiel bei der Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch helfen sollen. Das Bistum hatte bereits vor Wochen angekündigt, eine entsprechende Gruppe werde in diesem Sommer die Arbeit aufnehmen.

Genn schreibt, er versuche, sich bei der Aufarbeitung des Themas Missbrauch von der „Perspektive der Betroffenen und Opfer“ leiten zu lassen: „Es geht nicht darum, das Ansehen der Kirche wieder zu verbessern.“

Heft mit häufigen Fragen zur Missbrauchs-Aufarbeitung

Mit dem Brief des Bischofs an die Laien in den Gremien legt das Generalvikariat ein 20-seitiges Heft vor, das zentrale Fragen zum sexuellen Missbrauch beantworten soll. Unter anderem nennt es Ansprechpartner im Bistum für Menschen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind, stellt den Ablauf beim Umgang mit Verdachtsfällen dar und erläutert die Zusammenarbeit der Kirche im Bistum mit der staatlichen Jus­tiz. Das Heft kann im Internet heruntergeladen und als gedruckte Version bestellt werden unter www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch.

In seinem Brief an die Laiengremien schreibt Genn weiter, viele Katholiken hätten sich an die Bistumsleitung und ihn selbst mit der Bitte gewandt, einmal darzustellen, was die Kirche im Bistum Münster im Kampf gegen sexuellen Missbrauch bereits getan habe und weiterhin tue.

Genn: Würde mich einer Verwaltungsgerichtsbarkeit unterordnen

Viele Engagierte müssten erleben, für Missbrauchstaten von Priestern und anderen kirchlichen Mitarbeitern „in Mithaftung genommen“ zu werden. Genn nutzt auch deswegen die Chance, den Gremienmitgliedern zu danken. Ihr Einsatz sei „alles andere als selbstverständlich“.

Der Bischof betont, er sei selbst bereit, Macht abzugeben und sich auch „einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit unterzuordnen“. Die Schaffung solcher Gerichte auf bundesweiter Ebene wird diskutiert.

„Dialog statt Austauschen von Kritik“

Zudem ermutigt Genn die Katholiken, ihm „gerne direkt“ zu sagen, was sie an seiner Haltung und seinen Entscheidungen störe. Ein Dialog sei „hilfreicher“ als das Austauschen von Kritik in den Medien.