Opfer würdigen Geste – Bischöfe nach Rom einbestellt

Missbrauch in Chile: Papst bittet um Vergebung für Fehler

Papst Franziskus hat um Vergebung für „schwerwiegende Fehler“ im Umgang mit sexuellem Missbrauch in Chiles Kirche gebeten. In einem vom Vatikan veröffentlichten Brief an die Bischöfe des Landes kündigte er an, bei einem baldigen Treffen mit Opfern im Vatikan diese persönlich um Verzeihung zu bitten. Ein Termin steht noch nicht fest.

Wegen eines Mangels an „ausgewogenen Informationen“ habe er sich ein falsches Bild der Situation gemacht, schreibt der Papst. Missbrauchsopfer nahmen die Entschuldigung an. „Wir erkennen die Geste des Papstes an“, heißt es in einer Reaktion, die Medien in Chile veröffentlichten. Die Betroffenen bestätigten, vom Vatikan eingeladen worden zu sein. Sie prüften nun, ob sie an dem Treffen teilnehmen.

Dank an die Sonderermittler

Franziskus rief auch die Bischöfe Chiles nach Rom, um über Konsequenzen für die Kirche zu beraten. Die Protokolle der Sonderermittler hätten in ihm „Schmerz und Scham“ ausgelöst, erklärte der Papst.

In dem Brief dankt er den Sonderermittlern, Erzbischof Charles Scicluna und dem spanischen Priester Jordi Bertomeu Farnos, einem Rechtsexperten der Glaubenskongregation, für ihre „immense Arbeit“. Beide hätten in New York und Santiago de Chile 64 Zeugen gehört und ihre Ergebnisse in einem 2.300 Seiten umfassenden Bericht festgehalten. Besonders schockierend seien Berichte über den Missbrauch Minderjähriger „durch mehrere Geistliche Eures Landes“, so der Papst an die Bischöfe Chiles. Er halte die Zeugen für glaubwürdig.

Misstöne bei der Chile-Reise

Die Chile-Reise des Papstes im Januar war vom Thema Missbrauch überschattet worden. Die Debatte konzentrierte sich besonders auf Juan Barros, Bischof von Osorno. Er soll von sexuellen Vergehen des Priesters Fernando Karadima gewusst haben. Der heute 87-Jährige wurde 2011 wegen Missbrauchs verurteilt. Barros zählt zu Karadimas geistlichen Schülern.

In Chile hatte der Papst Barros in Schutz genommen und Anschuldigungen als „Verleumdungen“ bezeichnet. Für die Wortwahl bat Franziskus bereits auf dem Rückflug um Entschuldigung. Kurze Zeit später setzte er Sonderermittler ein.