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Ein mutmaßliches Missbrauchsopfer hatte sich dem Wiener Erzbischof anvertraut. Der fordert nun vollständige Aufklärung.
Ein Missbrauchsvorwurf erschüttert aktuell die katholische Kirche in Kroatien. Wie die Zeitung „Dnevnik“ berichtet, soll ein hochrangiger kirchlicher Mitarbeiter einen Schüler und späteren Priesteramtskandidaten über viele Jahre sexuell missbraucht haben. Der Beschuldigte bekleidet laut der Zeitung unter anderem nach wie vor eine leitende Position in einer Einrichtung der Kroatischen Bischofskonferenz.
Der Fall soll laut der Zeitung von den zuständigen Verantwortlichen der Kirche in Kroatien über viele Jahre vertuscht worden sein. Demnach soll der mutmaßliche Missbrauchsfall Anfang der 2000er Jahre begonnen haben, als der Betroffene eine kirchliche Schule in Zagreb besuchte, und er habe rund zehn Jahre gedauert. Als Seminarist und Theologiestudent sei der junge Mann dann in eine schwere Persönlichkeitskrise geraten, mit posttraumatischen Belastungsstörungen.
Kardinal Schönborn informierte den Vatikan
Laut „Dnevnik“ übersiedelte der junge Mann nach Wien und setzte dort sein Theologiestudium fort. Er sei für einige Zeit ins Wiener Priesterseminar aufgenommen worden, wo er sich unter anderem dem damaligen Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, anvertraut habe. Schönborn habe die zuständigen Stellen im Vatikan informiert.
Der Wiener Presseagentur Kathpress sagte der Kardinal am Freitag dazu: „Der Schutz und die Rechte der Opfer von Missbrauch stehen an erster Stelle.“ Er vertraue darauf, dass die zuständigen Stellen in Kroatien und im Vatikan die Verfahrensregeln von Papst Franziskus konsequent anwenden. Ein Papstschreiben aus dem Jahr 2019 regelt die Aufsichts- und Rechenschaftspflicht von Bischöfen und Ordensoberen im Umgang mit Verdachtsfällen von Missbrauch.