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In einer Kapelle des Doms erinnert eine Art Tisch an Missbrauchsopfer. Er ist zugänglich, aber nicht fertiggestellt. Das hat inhaltliche Gründe.
Im Beisein zahlreicher Betroffener ist am Paderborner Dom ein Gedenkort für Opfer sexuellen Missbrauchs eröffnet worden. Das Mahnmal in Gestalt eines überdimensionalen Tisches mit Memory-Karten soll den Skandal des Missbrauchs "aufdecken und erinnern", sagte der Münchner Künstler Christoph Brech bei der Vorstellung.
Die Oberfläche des Tisches besteht aus 25 drehbaren Metallplatten. Auf deren Unterseite sind Texte und Bilder zu finden, die in kurzen Sätzen Fälle von Missbrauch schildern und Hintergründe benennen. Formuliert und gestaltet wurden diese von Betroffenen. Das Mahnmal ist unabgeschlossen - die Unterseiten können nach einer Weile neu gestaltet werden.
Missbrauchsstudie kommt - Mahnmal lässt sich verändern
"So können etwa Ergebnisse der in Kürze erwarteten Missbrauchsstudie später mit einfließen", nannte Brech eine Möglichkeit. Laut dem Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, ist der jährliche kirchliche Gedenktag für Missbrauchsopfer am 18. November eine Gelegenheit, neue Inhalte für einzelne Kacheln zu erwägen. Wie Kirchen- und Betroffenenvertreter betonten, ist der Gedenkort der erste seiner Art - er wurde von allen Beteiligten gemeinsam entworfen und erarbeitet.
Harnisch erinnerte an den schwierigen Beginn des Kontakts mit dem Erzbistum 2021. Erst ab 2023 habe es konkretere Gespräche gegeben, um den Skandal bekannter zu machen. Ein erster Schritt sei die Kennzeichnung von Gräbern in der Bischofsgruft des Doms gewesen. In der Folge sei eine fruchtbare und zügige Zusammenarbeit entstanden.
Bentz sieht "Leitungsversagen der Bischöfe"
"Die Kathedrale verdichtet die Identität und Geschichte eines Bistums mit glanzvollen und beschämenden Aspekten", sagte Erzbischof Udo Markus Bentz. Deswegen sei der Dom auch der richtige Ort des Mahnmals. Damit werde auch an das Leitungsversagen der dort bestatteten Bischöfe erinnert.
An der Stirnseite des Gedenkorts ist der sogenannte "Hahnen-Hymnus" aus dem vierten Jahrhundert angebracht. Er erinnert an den Hahn, der krähte, nachdem der Apostel Petrus Jesus drei Mal verleugnet hatte. Passend dazu steht auf der Oberseite der 25 Kacheln der lateinische Satz "Et gallus cantavit" ("Und der Hahn krähte").
Laut Dompropst Joachim Göbel gehört die Brigidenkapelle zum ältesten Teil des Doms. Sie kann sowohl direkt von der Straße her wie auch durch den Dom erreicht werden. Brigida ist eine irische Heilige des fünften Jahrhunderts, die auch als Schutzpatronin der Kinder gilt.