ORDEN

Missbrauch: Ex-Sekretär des Gründers der „Legionäre Christi“ verdächtig

Der mexikanische Priester Marcial Maciel Degollado war mehrfacher Missbrauchstäter. Was nun seinem ehemaligen Mitarbeiter vorgeworfen wird. 

Marcelino de Andrés, der letzte Privatsekretär des Gründers der Ordensgemeinschaft „Legionäre Christi“, wird in Spanien des sexuellen Missbrauchs in fünf Fällen beschuldigt. Die Polizei habe den 58-Jährigen am 6. März verhaftet, heißt es in einem tags darauf verfassten Brief an die Eltern der „Highlands School El Encinar“ in Madrid. De Andrés war dort als Kaplan für die Primar- und Sekundarstufe beschäftigt. Die Bildungseinrichtung wird von den „Legionären Christi“ geleitet.

Am 9. März teilte Schuldirektor Pater Jesús María Delgado den Eltern mit, dass der Geistliche das Gefängnis nach 48 Stunden unter strengen Auflagen verlassen und die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben habe. Der Beschuldigte dürfe sich der Schule nur auf 300 Meter zu nähern. Darüber sei dem Priester verboten, Kontakt zu den Betroffenen zu suchen.

„Legionäre“-Gründer als Missbrauchstäter

Man habe den Priester trotz seiner engen Beziehung zu Marcial Maciel Degollado an der Schule beschäftigt, weil er „keine Vorgeschichte unangemessenen Verhaltens gegenüber Minderjährigen“ aufweise. Alle Beschäftigten der Schule müssten mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung nachweisen, nicht in Sexualstraftaten verwickelt zu sein. 

Der mexikanische Priester Marcial Maciel Degollado (1920-2008) gründete die „Legionäre Christi“ Anfang der 1940er-Jahre in Mexiko-Stadt. Vor allem Johannes Paul II. förderte während seiner Amtszeit die Gemeinschaft. Der Papst lobte Maciel Degollado 1994 in einem Brief zu dessen goldenem Priesterjubiläum sogar als „wirkungsvollen Führer“. 

Nach dem Tod des Gründers der „Legionäre Christi“ wurde öffentlich bekannt, dass der Geistliche nicht nur mehrfacher Vater, sondern auch vielfacher Missbrauchstäter war. Deshalb kam eine Apostolische Visitation 2010 zu dem Schluss, dass der Gemeinschaft ein „Weg tiefgehender Revision“ bevorstünde. Es sei notwendig, das „Charisma der Kongregation […] neu zu definieren“.

Reform des „Regnum Christi“

Die „Legionäre Christi“ sind der Ordenszweig der sogenannten „Regnum-Christi-Familie“. Diese umfasst auch Laienmitglieder sowie gottgeweihte Frauen und Männer. Ende 2023 zählte das „Regnum Christi“ eigenen Angaben zufolge weltweit insgesamt etwa 20.000 Mitglieder.

Anfang Februar dieses Jahres genehmigte die zuständige Vatikanbehörde endgültig die Statuten der Gemeinschaft. Nach der Aufdeckung der Missbrauchstaten durchlief das „Regnum Christi“ einen Reformprozess. 2019 genehmigte Rom die neuen Statuen schließlich für fünf Jahre ad experimentum („auf Probe“). 

Die endgültige Anerkennung verleihe der Gemeinschaft „Stabilität und Beständigkeit“, hieß es in einem Brief an alle Mitglieder, der auf der englischsprachigen Internetseite des „Regnum Christi“ veröffentlicht wurde. In Deutschland ist die Bewegung mit sogenannten „Apostelgemeinschaften“ unter anderem in Südostbayern vertreten. 

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