„Kirche hat jahrzehntelang schwere Schuld auf sich geladen“

Missbrauch – Paderborner Erzbischof Becker schreibt allen Katholiken

In der Missbrauchsdebatte hat der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker einen Brief geschrieben, der laut Homepage des Erzbistums an „alle katholischen Haushalte“ in der Diözese verschickt worden ist. Darin räumt er Vertuschung und Verdrängung von Missbrauch ein, durch welche „die Kirche in dieser Hinsicht jahrzehntelang schwere Schuld auf sich geladen“ habe. „Als Kirche sind wir unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen oft nicht gerecht geworden“, bekennt Becker.

Der Erzbischof kündigte an, dies konsequent zu ändern. Nicht erst seit der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie arbeite das Erzbistum Paderborn mit den staatlichen Ermittlungsbehörden zusammen. Zwischenzeitlich habe auch die Staatsanwaltschaft Zugang zu allen von ihr angefragten Unterlagen erhalten. Die von der Studie benannten notwendigen Konsequenzen würden „zeitnah und unmittelbar“ erfolgen.

Besinnung auf den „eigentlichen Auftrag“

Zugleich gelte es, hoffnungsvoll in das neue Jahr zu schauen und sich „auf unseren eigentlichen Auftrag als Kirche“ zu besinnen. Dessen Ziel müsse „ein lebendiger Glaube sein, der den Menschen hilft und gut tut“. Becker betonte, er schätze das Engagement vieler Katholiken, „die in den Gemeinden das Feuer des Glaubens wachhalten“. Die Geschichte Jesu beginne mit Menschen, die bereit seien zu Wagnis und Neubeginn.

Zum Erzbistum Paderborn gehören rund 1,5 Millionen Katholiken mit 666 Pfarrgemeinden, die in 111 Pastoralverbünden zusammenarbeiten. Größere Städte sind Paderborn, Bielefeld, Dortmund, Hagen und Siegen. Im Westen grenzt es an das Bistum Münster, die Stadt Hamm etwa ist zwischen beiden Bistümern aufgeteilt. Hans-Josef Becker (70) ist seit 2003 Erzbischof von Paderborn.