SEXUALISIERTE GEWALT

Missbrauchsfall: Abtei korrigiert Pater Anselm Grüns erste Aussagen

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Wie ist der bekannte Benediktiner mit einem geständigen Missbrauchspriester umgegangen? Die Abtei Münsterschwarzach präzisiert.

Von KNA

Nach Kritik am Benediktinerpater Anselm Grün im Zusammenhang mit einem Fall sexualisierter Gewalt hat die Abtei Münsterschwarzach Grüns erste Zurückweisung relativiert. Er habe sich 1992 für einen weiteren seelsorglichen Einsatz eines missbrauchsbeschuldigten Priesters offen gezeigt, teilt ein Sprecher des Klosters der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Im aktuellen Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn wird Grün wegen seines Umgangs mit einem Paderborner Priester kritisiert. Dieser hatte sexuelle Handlungen an einem damals 16-Jährigen eingeräumt, ein Strafbefehl erging.

Gespräch im Recollectio-Haus

Laut Kommission hielt sich der Geistliche 1992 im Recollectio-Haus der Abtei auf, dessen Mitgründer und geistlicher Leiter Grün ist. Bei einem Gespräch mit dem Priester und dem Personalchef des Erzbistums Paderborn habe Grün für die Einschätzung des Priesters eingestanden, dieser sei nicht homosexuell veranlagt. Das Haus bietet psychotherapeutische und geistliche Begleitung für Priester, Ordensleute und andere Beschäftigte im kirchlichen Dienst an.

Zudem habe Grün seine Bereitschaft erklärt, den Geistlichen in das Benediktinerkloster aufzunehmen, und vorgeschlagen, ihn bis dahin in einer Gemeinde im Bistum Würzburg in der Seelsorge einzusetzen. Das Bistum stimmte dem Einsatz dem Bericht zufolge im September 1992 zu.

Anselm Grüns erste Aussage

Der Priester war später bis 2009 im Bistum Würzburg, anschließend im Bistum Erfurt tätig. Die Darstellung des Falls stützt sich nach KNA-Recherchen auf einen Aktenvermerk des Paderborner Personalchefs.

Grün hatte den Vorwurf zunächst zurückgewiesen. "Ich kann mich an den Fall nicht erinnern und schließe das auch aus", sagte er vergangene Woche der KNA. Bei Menschen, die im Recollectio-Haus Hilfe gesucht hätten, habe er nie Empfehlungen ausgesprochen.

Was die Abtei korrigiert

Nach interner Prüfung teilt der Abteisprecher nun mit, Grüns Kommentar sei überstürzt gewesen. Der Pater bedaure, wenn sein Kommentar Irritationen verursacht habe.

Der grundsätzliche Vorschlag für einen Einsatz des Priesters in der Seelsorge und für einen räumlichen Wechsel nach Unterfranken sei allerdings vom Erzbistum Paderborn ausgegangen, so der Sprecher. Eine direkte Vermittlung durch Grün an das Bistum Würzburg oder eine konkrete Gemeinde habe es nicht gegeben. Organisation und Umsetzung hätten bei den Diözesen gelegen.

Missbrauchstäter im Recollectio-Haus

Zugleich räumt der Sprecher ein, das Recollectio-Haus habe in seinen Anfangsjahren auch Menschen aufgenommen, die als sexuell übergriffig aufgefallen seien. Die Arbeit der Einrichtung sei in den vergangenen 35 Jahren regelmäßig an neue psychologische Erkenntnisse angepasst worden.

Die Aufdeckung der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg 2010 - Beginn einer seither andauernden Befassung der katholischen Kirche in Deutschland mit solchen Fällen - habe dabei eine "Zäsur" dargestellt. Seitdem würden sexuell übergriffige Menschen nicht mehr aufgenommen.

Betroffene fordern Untersuchung - Abtei reagiert

Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz hatte am Montag eine umfassende Aufklärung des Vorwurfs gegen Grün und eine unabhängige Untersuchung des Recollectio-Hauses gefordert. Der Sprecher erklärt, die Abtei verstehe den Wunsch und sei für fachlichen Austausch und klärende Gespräche offen. Zugleich verweist er auf die gesetzlich geregelte Schweigepflicht. Eine Einsicht in Akten zu konkreten Fällen sei nur mit Zustimmung der jeweiligen Gäste erlaubt.

Sexualisierte Gewalt: Hilfe und Hinweise
Haben Sie sexualisierte Gewalt im Bistum Münster erlitten oder möchten Hinweise zu Fällen geben, können Sie sich an die Interventionsstelle oder die Unabhängigen Ansprechpersonen wenden: https://www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch/. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für das Bistum Münster erreichen Sie über die Seite https://uak-muenster.de/.

Haben Sie sexualisierte Gewalt erlitten und fühlen sich durch diesen Bericht aufgewühlt, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden – kostenfrei unter Tel. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/

Haben Sie sexualisierte Gewalt außerhalb des Bistums Münster oder außerhalb der Kirche erlitten, können Sie hier Hilfe finden:
- Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/
- NINA, Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: https://nina-info.de/
- Hilfe für Opfer von Kriminalität: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer-0

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