SEXUALISIERTE GEWALT

Missbrauch: Pater Anselm Grün soll geständigen Täter gefördert haben

Anzeige

Der Benediktiner gehört zu den bekanntesten Ordenspriestern. Was ihm vorgeworfen wird und wie er reagiert.

Von KNA

Anselm Grün (81), Benediktinerpater und Bestsellerautor, weist den Vorwurf zurück, in den 1990er Jahren einen der sexualisierten Gewalt beschuldigten Priester gedeckt und gefördert zu haben. "Ich kann mich an den Fall nicht erinnern und schließe das auch aus", sagte Grün der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er habe bei Menschen, die im Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach Hilfe suchten, nie Bestätigungen oder Empfehlungen ausgesprochen.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn wirft in ihrem neuen, vierten Jahresbericht Grün vor, einen geständigen Missbrauchstäter in die Seelsorge im Bistum Würzburg vermittelt zu haben. Der damals im Erzbistum Paderborn tätige Vikar hatte laut Jahresbericht einen 16-Jährigen sexuell missbraucht und sich im späteren Strafverfahren geständig gezeigt.

Was Anselm Grün getan haben soll

Nach einem Aufenthalt des Priesters im Recollectio-Haus habe Grün im Gespräch mit Verantwortlichen aus dem Erzbistum Paderborn seine Bereitschaft erklärt, den Priester in das Benediktinerkloster Münsterschwarzach aufzunehmen. Zudem habe er vorgeschlagen, den Vikar bis dahin in einer Gemeinde im Bistum Würzburg weiter in der Seelsorge einzusetzen.

Dem Einsatz habe das Bistum Würzburg im September 1992 zugestimmt. Der Geistliche wurde daraufhin laut Jahresbericht von 1992 bis 2009 in Würzburg und ab 2009 im Bistum Erfurt eingesetzt.

Weltbekannter geistlicher Autor

Das Recollectio-Haus bietet psychotherapeutische und geistliche Begleitung für Priester, Ordensleute und Mitarbeitende im Kirchendienst an. Grün ist Geistlicher Leiter der Einrichtung.

Der Benediktiner ist einer der meistgelesenen christlichen Autoren weltweit. Die Gesamtauflage seiner 300 Bücher bezifferte Grün im Januar 2020 mit etwa 20 Millionen Exemplaren.

So reagiert der Betroffenenbeirat auf die Vorwürfe

Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz fordert nun eine umfassende Aufklärung. Zudem solle unabhängig untersucht werden, ob auch anderen mutmaßlichen oder überführten Missbrauchstätern über das Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach der Weg zurück in die Seelsorge ermöglicht worden sei, erklärte das Gremium in einer Mitteilung am Sonntagabend, 6. September.

Der Betroffenenbeirat zeigte sich sowohl über die Darstellung in dem Bericht als auch über Grüns Reaktion darauf entsetzt. "Wie passt es zusammen, dass er den Vorwurf einerseits bestreitet, zugleich aber beteuert, sich an den Fall gar nicht erinnern zu können?", fragte das Gremium. Wegen der öffentlichen Bekanntheit Grüns erwartet der Beirat nach eigenen Angaben eine umfassende Aufklärung.

Update, 7. September: Reaktion des Betroffenenbeirats ergänzt. (jdw)

Sexualisierte Gewalt: Hilfe und Hinweise
Haben Sie sexualisierte Gewalt im Bistum Münster erlitten oder möchten Hinweise zu Fällen geben, können Sie sich an die Interventionsstelle oder die Unabhängigen Ansprechpersonen wenden: https://www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch/. Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für das Bistum Münster erreichen Sie über die Seite https://uak-muenster.de/.

Haben Sie sexualisierte Gewalt erlitten und fühlen sich durch diesen Bericht aufgewühlt, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden – kostenfrei unter Tel. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/

Haben Sie sexualisierte Gewalt außerhalb des Bistums Münster oder außerhalb der Kirche erlitten, können Sie hier Hilfe finden:
- Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/
- NINA, Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: https://nina-info.de/
- Hilfe für Opfer von Kriminalität: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer-0

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.