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Stanislaw Dziwisz, Alterzbischof von Krakau und langjähriger Papst-Sekretär, war zu einem Zivilprozess geladen. Dabei geht es um eine Millionensumme.
Der polnische Kardinal und ehemalige Papst-Sekretär Stanislaw Dziwisz hat in einem Zivilprozess um Schmerzensgeld für ein Opfer sexualisierter Gewalt eigene Versäumnisse bestritten. Dziwisz musste vor dem Bezirksgericht im südpolnischen Krakau aussagen. Das Gericht verhandelt seit Juni über eine Klage, mit der ein ehemaliger Ministrant wegen jahrelangen Missbrauchs durch einen Priester umgerechnet 4,6 Millionen Euro vom Erzbistum Krakau fordert.
Der 87-jährige Kardinal sagte laut polnischen Medien, er habe nicht davon erfahren, dass sich der Priester von 1984 bis 1989 an einem damaligen Messdiener vergangen habe. Er sei seinerzeit als Sekretär Johannes Pauls II. im Vatikan tätig und nicht für das Erzbistum Krakau zuständig gewesen.
Dziwisz war zwei Ladungen nicht gefolgt
Als er von 2006 bis 2016 Erzbischof von Krakau war, habe er zwar einen "unangenehmen" Brief erhalten, in dem es um den Priester und andere Geistliche gegangen sei. Dziwisz sagte aber, er könne sich nicht daran erinnern, dass in den Dokumenten der Name des jetzigen Klägers gestanden habe.
Für Aufsehen hatte in Polen gesorgt, dass der Kardinal im Prozess zuvor zweimal einer gerichtlichen Ladung als Zeuge nicht gefolgt war. Sein Anwalt hatte Dziwisz' Nichterscheinen unter anderem mit dessen Alter und einem langen Aufenthalt in Rom im Juli begründet.
Opfer und Kläger greift Kardinal scharf an
Der Kläger Janusz Szymik (54) kämpft seit Jahren für Schmerzensgeld und schilderte seinen Fall mehrfach unter vollem Namen in den Medien. Im Januar 2025 gewann er einen Zivilprozess gegen das Bistum Bielsko-Zywiec. Ein Gericht verurteilte es zur Zahlung von umgerechnet 93.000 Euro Schmerzensgeld. Der Tatort liegt in der Kirchenprovinz Krakau und gehört seit 1992 zum Bistum Bielsko-Zywiec.
Szymik kritisiert Dziwisz' Zeugenaussage scharf. Der Kardinal sei ein "widerlicher Lügner", sagte er dem Portal Onet. "Er verbirgt eine Menge dunkler Geheimnisse, und genau deshalb will er nicht die Wahrheit sagen."