BISTUM WÜRZBURG

Kritik am Umgang mit Missbrauchsfall: Früherer Bischof zieht Konsequenz

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Viele frühere Bischöfe sind bis in die jüngere Zeit falsch mit Missbrauchs-Tätern umgegangen. Ein heftiger Fall hat nun Folgen.

Von KNA

Der emeritierte Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann (83) ist nicht länger "Ehrendomherr an der Kathedrale von Würzburg". Mit der Rückgabe des Titels reagiert er auf Kritik wegen Fehlverhaltens im Umgang mit Missbrauch.

In einer am Wochenende in den Gottesdiensten im unterfränkischen Höchberg verlesenen Stellungnahme erklärte er laut Bischöflicher Pressestelle Würzburg: "Ich erkenne an, dass mein Handeln im Jahr 2010 im Bezug auf Ihren damaligen Pfarrer falsch war. Dafür bitte ich aufrichtig um Entschuldigung. Ich stelle nochmal fest, dass ich für mein Fehlverhalten die persönliche Verantwortung übernehme."

Bistum: Keine Konsequenzen für den Täter

Hintergrund sind Vorwürfe gegen einen 2017 gestorbenen Pfarrer. Der Bayerische Rundfunk berichtete über das im April 2025 veröffentlichte anonymisierte Gutachten zu Missbrauch im Bistum Würzburg, wonach der Geistliche sich an zwei Mädchen vergangen haben soll. Eines sei zu Beginn der Übergriffe erst 13 Jahre alt gewesen.

Das Bistum wusste nach eigenen Angaben spätestens seit 2010 von den Vorwürfen. Konsequenzen für den Priester blieben aus, er blieb im Amt und hatte weiterhin Kontakt zu Jugendlichen. Damals war Hofmann Bischof von Würzburg.

Fall nicht schriftlich dokumentiert

Ein aus Gemeinde- und Bistumsvertretern gebildetes Prozessteam hatte seit Oktober 2025 den Umgang mit dem Fall aufgearbeitet. Es sei deutlich geworden, dass kirchenrechtlich vorgesehene Schritte nicht vollständig eingehalten worden seien, so das Bistum.

Der Fall sei nur mündlich und nicht schriftlich an die Glaubenskongregation im Vatikan gemeldet worden. Eine schriftliche Dokumentation liege weder in Würzburg noch in Rom vor.

Bischof Jung kritisiert Vorgänger Hofmann

Bei einer Veranstaltung kürzlich in Höchberg hatte auch der amtierende Würzburger Bischof Franz Jung seinen Vorgänger Hofmann kritisiert. Er habe erwartet, dass dieser sich der Situation stelle, sich zu seiner persönlichen Verantwortung bekenne und daraus Konsequenzen ziehe, "auch im Sinne der Betroffenen und der Gemeinde".

Hofmann war aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend. Er ist an Parkinson erkrankt, wie er in einer eingespielten Videobotschaft erklärte.

So reagiert betroffene Pfarrei

In dieser bat er um Entschuldigung, dass die Vorwürfe nicht in der erforderlichen Weise bearbeitet worden seien: "Ich hätte als Bischof stärker nachfragen, genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen. Viele von Ihnen fühlen sich nicht ausreichend informiert und nicht ernst genommen." Hofmann kündigte zudem an, eine Stiftung für Betroffene sexualisierter Gewalt im Bistum Würzburg etablieren zu wollen.

Nach Angaben des Bistums kritisierten Mitglieder des Prozessteams Jung dafür, dass es bisher keine Konsequenzen für Hofmann gegeben habe. Nach dem Titel-Verzicht des emeritierten Bischofs erklärten nun die Gremien der Pfarrei, sie begrüßten, dass Hofmann Konsequenzen gezogen habe.

Hofmann leitete das Bistum Würzburg ab 2004 rund 13 Jahre lang. Zuvor war er Weihbischof im Erzbistum Köln. Im September 2017 nahm Papst Franziskus seinen altersbedingten Rücktritt als Bischof von Würzburg an.

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