Zollner: Papst kann seiner Aufsichtspflicht gar nicht nachkommen

Missbrauchs-Experte fordert Rechenschaftspflicht für Bischöfe

Der Jesuitenpater Hans Zollner fordert die Kirche zu noch mehr Transparenz im Umgang mit Missbrauchsfällen durch Geistliche auf. Es brauche dringend eine geregelte Rechenschaftspflicht für Bischöfe, sagte der 52-Jährige im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen. Derzeit gebe es dafür in der Kirche keine wirklichen Strukturen. Ein Ortsbischof sei lediglich dem Papst gegenüber rechenschaftspflichtig. Der aber könne seiner Aufsichtspflicht bei weltweit rund 5.100 Bischöfen gar nicht nachkommen.

Der Leiter des römischen Kinderschutzzentrums nannte es ein grundsätzliches Problem, dass im Vatikan Prozesse zu Missbrauchsfällen extrem lange dauerten. Auch gebe es keine Zwischeninformationen. Oft vergingen Jahre, bis ein Betroffener erfahre, was mit dem Täter geschehe. Opfer, Schulen, Orden und Bistümer hätten aber ein Anrecht darauf, über den Fortgang eines Prozesses informiert zu werden.

Kontrolle „von außerhalb des Systems“

Der Theologe und Psychologe forderte neue Gesetze für die Kirche. Die Kontrolle des Systems müsse an andere übergeben werden, die nicht zum System gehörten.

Auch brauche es noch mehr Aufmerksamkeit für die Betroffenen und deren Anliegen. Die Kirche sollte „proaktiv“ und nicht defensiv die Krise angehen. Konsequente Präventionsmaßnahmen sorgten nachweisbar für einen deutlichen Rückgang der Missbrauchsfälle, sagte Zollner.

Führender Präventions-Experte

Der Jesuit gilt als einer der führenden Fachleute bei der Prävention sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Er war maßgeblich an der Vorbereitung des Anti-Missbrauchsgipfels im Februar im Vatikan beteiligt.