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ZDF-Sendung „Frontal 21“ berichtet über Fälle auch in Bottrop

Missbrauchspriester H.: Bistum Essen rechnet mit mehr Opfern

Das Bistum Essen rechnet in einem bundesweiten Fall von Kindesmissbrauch durch einen Priester in Bottrop mit weiteren Opfern, die sich melden. Die ZDF-Sendung "Frontal21" hatte Verbindungen auch zu Joseph Ratzinger gezogen.

Das Bistum Essen rechnet in einem bundesweit bekannten Fall von Kindesmissbrauch durch einen Priester in Bottrop mit weiteren Opfern. Namentlich seien bisher acht Betroffene bekannt, die der damalige Kaplan zwischen 1973 und Ende 1979 missbraucht habe, sagte Sprecher Ulrich Lota am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Bistum vermute anhand der Schilderungen der bekannten Betroffenen derzeit fünf weitere Opfer. Allerdings seien keine Namen genannt worden.

In der Vergangenheit, so Lota weiter, habe man bereits mehrfach dazu aufgerufen, dass sich Betroffene melden sollen. Nach den aktuellen Medienberichten werde das Bistum „sicherlich überlegen, ob wir das noch ein weiteres Mal tun müssen“.

Vorwürfe gegen Joseph Ratzinger

Die ZDF-Redaktion von „Frontal21“ und das Recherchezentrum CORRECTIV hatten am Dienstag unter anderem berichtet, der beschuldigte Priester in Bottrop habe mehr Kinder missbraucht als bisher angenommen. Eines der dem Bistum bekannten Opfer plane, auf 500.000 Euro Schadenersatz zu klagen.

Der Fall erregte auch deshalb schon wiederholt Aufsehen, weil 1980 der damalige Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) von den Vorwürfen gegen den Priester erfahren haben soll. Unter der Auflage einer Therapie habe Ratzinger gebilligt, dass der Kaplan aus dem Bistum Essen in seine Erzdiözese versetzt wurde.

Pfarrer wurde 2010 suspendiert

Dort war der Priester jahrzehntelang weiter in der Pfarrseelsorge tätig, auch nachdem er 1986 wegen erneuten Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Erst 2010 erfolgte seine Suspendierung vom Priesteramt. Zuvor hatte es weitere Vorwürfe wegen übergriffigen Verhaltens gegenüber Minderjährigen gegeben.

Die am Dienstag veröffentlichten Recherchen legen die Vermutung nahe, dass Ratzinger auch in seiner Zeit an der Spitze der Glaubenskongregation im Vatikan zwischen 1982 und 2005 von der fortdauernden Beschäftigung des Priesters gewusst haben könnte.

Laut Bistum Essen haben sieben der acht dort bekannten Opfer eine Zahlung „in Anerkennung des erlittenen Leids“ von jeweils 5.000 Euro erhalten. Eine Person habe auf diese Zahlung verzichtet. „Das waren keine Entschädigungszahlungen“, betonte der Sprecher. Mit diesen könnten die Opfer rechnen, sobald sich die Deutsche Bischofskonferenz auf ein Modell für die Entschädigung von Missbrauchsopfern geeinigt habe.

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