Unverständnis über Umgang des Kardinals mit Missbrauchs-Betroffenen

Missbrauchsstudie: Mainzer Bischöfe distanzieren sich von Lehmann

  • Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und sein Weihbischof Udo Markus Bentz haben sich vom verstorbenen Mainzer Kardinal Karl Lehmann distanziert.
  • Beide äußerten vor Journalisten Unverständnis über Lehmanns Umgang mit Opfern und Tätern sexualisierter Gewalt.
  • Dieser war in einer unabhängigen Studie öffentlich geworden.

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Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und sein Weihbischof Udo Markus Bentz haben sich vom verstorbenen Mainzer Kardinal Karl Lehmann distanziert. Beide äußerten vor Journalisten Unverständnis über Lehmanns Umgang mit Opfern und Tätern sexualisierter Gewalt. Lehmann hatte Kohlgraf und Bentz zu Bischöfen geweiht.

Am Freitag war eine unabhängige Studie zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im Bistum vorgestellt worden. Demnach müssen sich Kohlgrafs Vorgänger Lehmann, Hermann Volk und Albert Stohr schwere Versäumnisse anrechnen lassen. Die Verantwortlichen der Diözese kündigten weitere Schritte zur Aufarbeitung an, etwa die Prüfung, ob im Bistum Aktive sich für rechtlich relevantes Versagen verantworten müssen.

"Unglaubliche Härte und Abweisung"

Kohlgraf sprach von "systemischem Versagen". Fehlende Verantwortungsübernahme habe Missbrauch begünstigt. Lehmann, der "ein menschenfreundliches Gesicht gezeigt" habe, habe in der Begegnung mit Betroffenen sexualisierter Gewalt "unglaubliche Härte und Abweisung" an den Tag gelegt. Kohlgraf kritisierte auch Gemeinden, die bis heute "Priester auf ein Podest gehoben haben, das sie unangreifbar macht".

Der Bischof nannte es "geradezu unaussprechlich widerwärtig", wenn Täter Missbrauch religiös begründeten. Er dankte den Betroffenen und denen, die Wissen in die Studie eingebracht hätten: "Ich bin dankbar dafür, dass die Wahrheit ans Licht kommt."

Kohlgraf verweist auf Tagesordnung des Synodalen Wegs

Mit Blick auf die am Donnerstag beginnende Versammlung des Reformdialogs Synodaler Weg sagte Kohlgraf: "Missbrauch ist immer verbunden mit Machtausübung, einer bestimmten Sexualmoral und dem kirchlichen Umgang mit ihr, mit männerbündischen Netzen und auch der priesterlichen Lebensform und deren Selbstverständnis." Diese Themen stehen auf der Tagesordnung der Synodalversammlung.

Weihbischof Bentz sagte, vieles in der Studie sei schwer erträglich, etwa "der Graben zwischen öffentlicher Rede und internem Handeln". Viele hätte ihm in den vergangenen Tagen gesagt, das Bild von Lehmann sei zerbrochen. "Mir ergeht es ähnlich", so Bentz.