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Jörg Hagemann: „Ich konnte keine normale Predigt halten“

Missbrauchsstudie: Münsters Stadtdechant wirft sich zu Boden und schweigt

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Mit Schweigen und einer Demutsgeste hat Stadtdechant und Pfarrer Jörg Hagemann aus Münster auf die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster reagiert. Bei Gottesdiensten am Wochenende in seiner Pfarrei St. Nikolaus legte er sich demütig auf den Boden und schwieg, statt zu predigen.

„Ich konnte und wollte angesichts des Leids so vieler Betroffener von sexualisierter Gewalt einfach keine normale Predigt halten“, sagte Hagemann dem Kölner „Domradio“. Er habe es für angemessener gehalten, nach einem kurzen Statement eine lange Zeit der Stille auszuhalten. Er hoffe, dass Missbrauchs-Betroffene das Schweigen und die Gesten „als etwas für sie Positives wahrnehmen“ könnten.

„Ich wollte mich klein machen“

Seine Motive hatte der Stadtdechant bei Facebook erläutert. Manchmal brauche es Stille, „ein inneres Luftholen“ oder Luftanhalten. Zum Post habe es viel Zustimmung gegeben, aber auch Kommentare, die Hagemann die Gesten nicht abgenommen hätten.

Das Liegen, die Postratio, ist Teil des Gottesdienstes am Karfreitag, dem Todestag Jesu. Für Priesteramtskandidaten ist es vor der Weihe vorgesehen. Bekannt wurde der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der sich als erster deutscher Bischof 2010 in einem Bußgottesdienst wegen der bekannt gewordenen Missbrauchsfälle zu Boden warf.

Hagemann sagte, ihm sei klar, dass die Postratio „für viele Menschen eine sehr fremde Gebetshaltung ist“. Es sei ihm aber darum gegangen, sich demütig „klein zu machen“.

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