28 Frauen und Männer testen neue Formate der Verkündigung

„Mission possible“: Glaubenskurs an Münsters Kreativkai

Der Ort, an dem sich die 28 Teilnehmenden des Kurses „Mission possible“ fünf Mal abends treffen, könnte treffender nicht gewählt sein.  Im „H7“, einem modernen Bürogebäude am münsterschen Hafen, haben sie „die Welt von heute“ durch die großen Glasscheiben direkt im Blick: Die Gastro-Meile, den Kreativkai jenseits des Hafenbeckens. Dieser „weltlichen“ Seite wollen die Frauen und Männer künftig noch besser und auf Augenhöhe begegnen. Worte finden über den persönlichen Glauben, ihn durch Leben und Tat bezeugen und sich so für die Sache Jesu einsetzen, ohne dem Gegenüber etwas „überzustülpen“. Mission neu definiert?

„Ja“, sagt Pastor Martin Sinnhuber von der Gemeinschaft Emmanuel, der neben seinem Dienst in der Liudger-Gemeinde in Münsters Westen neue Wege für die Stadtpastoral sucht - und mit Ideen wie dem „Emmanuel-Meeting“ donnerstags in der Überwasserkirche oder eben diesem „Missions-Kurs“ auch bereits anbietet. Gemeinsam mit Eva Fahmüller und Regina Niemann, beide sind geweihte Schwestern der Gemeinschaft, führt er in zehn Schritten durch Fragestellungen zum Thema Mission, die eine neue Form von Kirche und Glaubensweitergabe in den Raum stellen.

Sinnhuber: Mission ist kein Luftkrieg

28 Frauen und Männer nehmen in Münster an dem Kurs "Mission possible" in Münsters Hafen teil. 28 Frauen und Männer nehmen in Münster an dem Kurs "Mission possible" in Münsters Hafen teil. | Foto: Heike Hänscheid

Hausaufgaben gibt es übrigens auch für die bunt gemischte Teilnehmer-Schar, die aus den unterschiedlichsten Gründen bei diesem Premierenkurs in Münster dabei ist. „Zum Beispiel ein kleines Interview mit jemandem zu führen, der gar nicht oder nicht so eng mit Kirche und Glauben verbunden ist, zeigt mir, dass man schon Ermutigung braucht, für die eigene Überzeugung einzustehen und sie anderen gegenüber in Worte zu fassen“, so ein Teilnehmer.

Genau dies, so Sinnhuber, sei eben ein Ansatz des Kurses: Menschen zu befähigen, den Blick für andere zu schärfen, solidarisch zu sein mit dem Gegenüber und Brücken zu bauen zum Nächsten. Sinnhuber erklärt: „Mission“ ist kein „Luftkrieg“, bei dem man den Menschen von oben herab ein paar Sachen zuwirft. Man muss mit ihnen auf Augenhöhe sein, die Sprache der Gastfreundschaft lernen und zuallererst zuhören können“.

Christen sind keine Mauerbauer

Pastor Martin SinnhuberPastor Martin Sinnhuber führt mit zwei Schwestern der Gemeinschaft Emmanuel durch die Veranstaltungen. | Foto: Heike Hänscheid

Dass Christen Brücken- und nicht Mauerbauer sein sollen, auch das gehört zu den Themen, die in den fünf Gruppen-Abenden auf dem Plan stehen. Neue Formate der Glaubensvermittlung, aber auch der Ansprache von glaubensfernen oder Sinn suchenden Menschen sind nötig, da sind sich alle im Gespräch einig. Und so kommt neben der „Theorie“ und den Übungen zur eigenen Grundhaltung, auf die „missionarische Pastoral“ aufbauen soll, auch die Praxis nicht zu kurz.

Denn nach dem Abschluss der Kurs-Abende soll die kleine Gemeinschaft ein „Missions“-Projekt ausbrüten“: Einen Samstag lang soll das wöchentlich Besprochene – „das bis in mein Gebetsleben nachwirkt“, wie ein Teilnehmer sagt – in eine konkrete, öffentliche Veranstaltung umgesetzt werden. „Da könnten Pläne zum Beispiel für ein  Konzert entstehen oder ein ganz anderes Event“, ist Sinnhuber selbst gespannt, wie kreativ der Premierenkurs an diese Aufgabe herangehen wird.

Unaufdringlich, aber überzeugend

Ziel des vor mehr als einem Jahrzehnt in Wien entstandenen Kurses „Mission possible“ ist es laut Sinnhuber, die Teilnehmenden zu Zeugen zu machen, die in ihrem Umfeld freimütig ihre Erfahrungen mit Gott, mit seinem Wort und seiner Begleitung weitergeben. Und genau damit unaufdringlich, aber überzeugend Kirche als Teil der Welt repräsentieren und so durch Leben und Tat die Freude am Glauben predigen.

Geplant ist, diesen Missions-Kurs  im kommenden Jahr als Angebot der Stadtpastoral erneut anzubieten. „Wohltuend, Mut machend, bereichernd“, so bezeichnen die diesjährigen Teilnehmer ihre bisherigen Erfahrungen. Vielleicht sind sie ja auch damit schon Multiplikatoren für einen spannenden neuen Weg in Münsters spiritueller Vielfalt.