Freiwilligen-Freundeskreis Vamos Juntos erhält „Agiamondo-Engagementpreis“

Mit 91 noch Schuhputzer: Warum Bocholter in Bolivien helfen

  • Der katholische Personaldienst für internationale Freiwilligendienste „Agiamondo“ hat seinen Engagementpreis an den Bocholter Verein Vamos Juntos verliehen.
  • Das Preisgeld von 2000 Euro kommt Schuhputzern in Bolivien und der Freiwilligenarbeit zugute.
  • Vier junge Bolivianer machen Freiwilligendienste bei der Caritas in Bocholt und bei den Alexianern in Münster.

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Der diesjährige Preis der katholischen Fachstelle für internationale Freiwilligendienste „Agiamondo“ für besonderes Engagement geht an den Freiwilligen-Freundeskreis Vamos Juntos (zu Deutsch „Lasst uns gemeinsam gehen“) aus Bocholt. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen von Schuhputzerinnen und Schuhputzern in Bolivien zu verbessern.

Geprägt von den Erfahrungen ihres Freiwilligenjahres in Bolivien setzt sich die Geschäftsführerin Ruth Overbeck de Sumi seit 2000 für die Durchführung eines Nord-Süd- und Süd-Nord-Freiwilligendienstes sowie die Einbindung von nationalen Unterstützenden ein. Diese suchen täglich etwa 300 Schuhputzer in La Paz auf, nehmen soziale Notlagen wahr und leiten notwendige Unterstützung in die Wege. Unterstützung erfährt die Bocholterin Ruth Overbeck de Sumi durch ihre Eltern, die sie zur Vereinsgründung und Förderung der Freiwilligenarbeit motiviert haben.

Leseförderung in La Paz

„Gerade für uns als kleiner Verein ist dieser Preis mit der Zuwendung von 2000 Euro eine wunderbare Wertschätzung unserer Arbeit. Diese Anerkennung motiviert uns hier in Deutschland und auch in Bolivien, uns weiterhin mit sehr großem Engagement für die Schuhputzer in La Paz einzusetzen und auch die Freiwilligen qualitativ gut zu begleiten“, sagt Ruth Overbeck de Sumi im Gespräch mit „Kirche+Leben.de“.

Momentan führt der Verein Vamos Juntos mit mehr 200 Schülerinnen und Schülern in Bolivien Workshops zur Leseförderung durch und unterstützt sie mit Internet-Guthaben, sodass sie am virtuellen Unterricht teilnehmen können. „Außerdem haben mit Unterstützung von Misereor 50 Familien ein Tablet erhalten“, sagt Overbeck de Sumi.

Hausbesuche gegen Einsamkeit

Bolivien war im vergangenen Jahr während der Corona-Pandemie von vielen Schulschließungen betroffen. Auch in diesem Jahr gab es an vielen Schulen noch keinen Präsenzunterricht. Deshalb sei die Teilhabe am Online-Unterricht besonders wichtig.

Sehr schwierig in Pandemiezeiten sei die Situation der schuhputzenden Seniorinnen und Senioren. Der Bocholter Verein hilft deshalb Schuhputzern konkret zwischen 60 und 91 Jahren, die keine oder nur sehr eingeschränkte familiäre Bindungen haben und noch im hohen Alter Schuhe putzen müssen. Das Projekt will mit Hausbesuchen die Einsamkeit und die soziale Isolierung durchbrechen.

Süd-Nord- und Nord-Süd-Freiwillige

Zum 1. Februar 2022 sollen vier Süd-Nord-Freiwillige aus Bolivien nach Deutschland einreisen. „Wir hoffen sehr, dass es klappt“, sagt Overbeck de Sumi. Zwei von ihnen werden einen Bundesfreiwilligendienst bei den Einsatzstellen der Caritas in Bocholt absolvieren, zwei bei den Alexianern in Münster.

Wer einen Freiwilligendienst in Bolivien als so genannter Nord-Süd-Freiwilliger machen möchte, kann sich an den Verein Vamos Juntos wenden. Der Bewerbungsschluss ist am 31. Januar 2022.

Perspektivwechsel für junge Menschen

Für die Freiwilligen wird durch ihren Dienst ein Perspektivwechsel auf die gewohnte Lebensweise und das Herkunftsland angestrebt sowie eine Revidierung von Stereotypen über den globalen Norden und den globalen Süden durch Begegnungen und Erfahrungen. Interessierte finden Hinweise unter www.vamosjuntos.de.

Was ist „Agiamondo“?
Mit dem Engagementpreis zeichnet „Agiamondo“, der staatlich anerkannte katholische Personaldienst für internationale Zusammenarbeit in Deutschland, jährlich Personen und Initiativen aus, die sich besonders für Anliegen der personellen Zusammenarbeit engagieren. Mit der Preisvergabe möchte der Dienst dazu beitragen, dass weltweites Engagement sichtbarer wird. Bis 2019 wurde „Agiamondo“ unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe“ (AGEH) geführt. In deutscher Übersetzung enthält der Begriff Agiamondo die Worte „Handeln“ und „Welt“. Er umschreibt so die partnerschaftliche Verantwortung in einer globalen Welt, in der jeder von jedem lernen kann und wir gemeinsam Welt gestalten.