Projekt fördert Teilhabe auf zwei Kontinenten

Mitarbeiter der Karthäuser Werkstätten brauen eigenes Bier

Die Handgriffe sitzen. Bierflaschen wandern von Hand zu Hand. Bier fließt aus der Abfüllanlage. Die verkorkten Flaschen wandern in bereitgestellte Kisten. „Das macht richtig Spaß“, sagt Christopher Müller, ein Beschäftigter der Karthäuser Werkstätten.

An diesem Morgen ist er mit einigen Kolleginnen und Kollegen aus dem „Handwerk Industrie Dienstleistung-Service“ (HID) der Werkstätten in Dülmen in die kleine Privatbrauerei von Gabriele und Toddy Geldmann in Haltern-Hullern gekommen, um eine eigene Bierkreation für den „Karthäuser Winterzauber“ herzustellen.

Abwechslung von der Werkstatt-Arbeit

Gut 2.000 Flaschen sind in den letzten Wochen in der „Böcken-Bräu-Craft-Beer-Manufaktur“ abgefüllt worden, wie die kleine Brauerei heißt. Sie werden im Dezember in Karthaus verkauft, wenn der große Adventsmarkt der Werkstätten wieder zahlreiche Besucher anlocken wird.

Die Ernte von Hopfen ist recht aufwändig: die Dolden müssen von den Reben gepflückt werden, ohne sie zu zerbrechen. | Foto: Britta Homann
Die Ernte von Hopfen ist recht aufwändig: die Dolden müssen von den Reben gepflückt werden, ohne sie zu zerbrechen. | Foto: Britta Homann

Dann wird auch Christopher Müller stolz das Bier präsentieren, das für einen guten Zweck verkauft wird. „Für uns ist es etwas Besonderes, Bier zu brauen, und eine Abwechslung zur eigent­lichen Arbeit.“ Müller und seine Kollegen arbeiten in der Zweigwerkstatt HID im Dülmener Gewerbepark Dernekamp.

HID ist eine Arbeits- und Rehabilitationseinrichtung für Menschen mit psychischen Behinderungen. Dort geht es um Eingliederung von Menschen in einen Arbeitsprozess, die auf besondere Unterstützung und Förderung angewiesen sind.

Hopfen aus Dülmen, Wasser aus Haltern

Am HID ernteten vor einigen Wochen Beschäftigte und Mitarbeiter den Hopfen für das Winterzauber-Bier. Sie mussten sich bei der Ernte beeilen, da die grünen Zapfen schnell nach Haltern zur Brauerei „Böcken Bräu“ gebracht werden mussten, wo der Braukessel schon dampfte. Der Hopfen muss für das Bierbrauen ganz frisch sein.

Angebaut wurde der Hopfen auf einer Wiese am HID. Christiane Laub, Beschäftigte im Berufsbildungsbereich, kümmerte sich täglich um die Rankgewächse: gießen, düngen und das Unkrautjäten war ihre Aufgabe.

Abteilungsleiter: Warum sollten wir kein eigenes Bier brauen?

Toddy Geldmann von „Jupp unner de Böcken“ in Haltern. | Foto: Britta Homann
Toddy Geldmann von „Jupp unner de Böcken“ in Haltern. | Foto: Britta Homann

Dass das Bierbrauen möglich ist, verdanken die Beschäftigten Michael Stüer, dem Leiter der Abteilung HID. Er wohnt in Hullern wie Gabriele und Toddy Geldmann, die am Halterner Stausee den Biergarten „Jupp unner de Böcken“ betreiben und seit Kurzem ein eigenes Halterner Bier brauen.

„Warum sollten die Werkstätten Karthaus nicht ihr eigenes Bier brauen? Für mich war klar, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagt Toddy Geldmann. Er hat bereits mehrere Biervariationen auf den Markt gebracht und ist sich sicher, dass auch das Winterzauber-Bier Absatz findet. „Es war schön zu sehen, wie sehr die Mitarbeiter bei der Sache waren“, sagt der Gastronom.

Aktion fördert Teilhabe auf zwei Kontinenten

Dass dabei der gute Zweck unterstützt wird, ist für den Gastronom Ehrensache. Seit einigen Jahren unterstützt er eine christliche Missionsstation in Südafrika, die Waisen und Kinder aus armen Familien hilft. Bei einem Besuch dort vor zwei Jahren schenkte er 80 Jungen und Mädchen Schuhe, damit sie nicht mehr barfuß durch Unrat und Scherben laufen müssen. „Es geht um eine lebenswerte Zukunft der Kinder und hier beim Bierbrauen um Teilhabe“, sagt Toddy Geldmann