Millimeterarbeit unter dem Mikroskop

Mittelalter-Fenster im Xantener Dom sind gerettet

Konzentriert beugt sich Franziska Koch über die von unten beleuchtete Arbeitsplatte. Mit einem Wattestäbchen, das sie in eine Ethanollösung getaucht hat, bearbeitet sie das vor ihr liegende Fenster. Die 28-jährige Restauratorin hat in Erfurt ihren Master mit dem Schwerpunkt Glasmalerei gemacht. Seit 2014 arbeitet sie in der Xantener Dombauhütte und ist seit 2016 fest angestellt.

Sie hat die Arbeit vieler freiberuflicher Restauratorinnen fortgeführt, die seit 2006 die Kirchenfenster im St. Viktor-Dom für die Nachwelt erhalten. „Es ist faszinierend, diese wertvollen mittelalterlichen Fenster in den Händen zu halten und zu restaurieren“, sagt Koch. „Ich sehe auf diese Weise viele Details wie die Pinselführung und Farbgebung.“

Die 28-jährige Restauratorin Franziska Koch hat an der Erhaltung der Fenster im Xantener-St.-Viktor-Dom mitgearbeitet.Die 28-jährige Restauratorin Franziska Koch hat an der Erhaltung der Fenster im Xantener-St.-Viktor-Dom mitgearbeitet. | Foto: Jürgen Kappel

Qualität vergleichbar mit dem Kölner Dom

Als letztes dieser wertvollen Fenster hat sie das „Hagedornfenste“r von 1362 restauriert. Unter dem Mikroskop hat sie die Schäden betrachtet und die Bemalung Millimeter für Millimeter mit Kunstharz beträufelt, um die Farbgebung zu retten.

„Es gibt nur wenige Fenster von einer solch hohen Qualität wie im Xantener Dom“, erklärt Johannes Schubert, Leiter der Xantener Dombauhütte. „Sie sind vergleichbar mit den mittelalterlichen Fenstern im Kölner Dom“, sagt der 53-jährige gelernte Steinmetz. Das Alter und die künstlerische Ausgestaltung seien Gradmesser für ihre Bedeutung.

Geld war das Problem

Bereits 1996 setzte sich die Erkenntnis durch: Um diese Kostbarkeiten zu retten, muss etwas passieren. Seit Jahrhunderten waren die Fenster aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit tagtäglich der Witterung ausgesetzt. Das zentrale Problem war das Geld.

Erst ein zweites Gutachten, in dem vor allem die damalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner auf die Dringlichkeit der Arbeiten hinwies, ermöglichte den Beginn der Rettungsmaßnahmen. Gemeinsam finanzierten das Land Nordrhein-Westfalen, das Bistum und der Dombauverein  die Arbeiten.

Schock-Werner empfahl, die Fenster auf keinen Fall in eine andere Werkstatt zu gegeben. Der Transport sei zu gefährlich und für die Schadensbekämpfung sei es wichtig, die Fenster im Gesamtbestand zu betrachten. Ihr Wunsch, eine Glaswerkstatt in der Bauhütte einzurichten, wurde erhört. Neben den jährlichen Fördergeldern zahlte das Land nun zusätzlich 60.000 Euro pro Jahr und machte den Start möglich. „Es hätte lange gedauert, die Fenster nebenbei zu restaurieren“, sagt Schubert. Auch Franziska Koch ist glücklich, an der Rettung der Fenster mitwirken zu können.