WOHNUNGSLOSE

Duschen auf dem Kirchplatz: Bistum Münster unterstützt soziales Angebot

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Jeden Donnerstag steht in Münster eine mobile Duschkabine für Bedürftige. Um welchen Standort es sich handelt und wie sich das Bistum beteiligt.

Gut geschützt in einer Mauernische an der Überwasserkirche in Münster steht ab sofort jeden Donnerstagmorgen ein besonderer Anhänger: eine kleine Duschkabine mit Toilette, Waschbecken und sogar Fußbodenheizung. Davor der Transporter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und ein Pavillon mit Sitzmöglichkeiten für die Nutzerinnen und Nutzer.

Der „Mobile Dusch- und Beratungstreff“ des ASB Münsterland verbindet praktische Hilfe mit menschlicher Nähe, weiß Projektleiterin Yvonne Buschkühl: „Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, bedeutet für viele ein großes Stück Lebensqualität: warm duschen, Hygieneartikel nutzen, sich in einem sicheren Rahmen aufhalten – Dinge, die für die meisten selbstverständlich sind, für andere aber ein seltenes Privileg.“ Das kostenlose Angebot richtet sich besonders an Menschen ohne festen Wohnsitz oder Personen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, wie die Bischöfliche Pressestelle berichtet.

Wasser und Strom durch Liebfrauen-Überwasser

Die Präsenz von drei Beratungsfachkräften ermögliche parallel professionelle Gespräche. Aber: Nicht jeder, der die Dusche nutze, müsse beraten werden, und nicht jeder, der beraten werden möchte, müsse duschen, sagt Yvonne Buschkühl. „Wir wollen einen offenen Treff schaffen, an dem man sich einfach wohlfühlen darf – beim Kaffee, im Gespräch oder eben unter der Dusche.“

Möglich wird das Angebot nur in Zusammenarbeit mit vielen Partnern. Denn die Kabine ist nicht autark: Wasser und Strom müssen gestellt werden. Dass der Überwasserkirchplatz aus Sicht von Yvonne Buschkühl als „Premiumstandort“ gilt, liegt auch am Engagement der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser und des Bistums Münster, die die nötige Infrastruktur mit Wasser und Strom bereitstellen.

„Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“

Pfarrer André Sühling erklärt: „Wir verstehen Kirche mit einem Auftrag in die Gesellschaft hinein. Und da möchten wir – ganz nach dem biblischen Leitwort ‚Was ihr dem Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan‘ – konkret werden.“ Neben Gottesdiensten und Kunst- und Kulturangeboten werde an dem Ort auch dem sozialen Auftrag nachgekommen. Monatlich findet bereits der „Treff im Turm“ statt, bei dem Menschen zusammenkommen können, um Gemeinschaft zu erleben. „Deshalb war es für uns selbstverständlich, als die Anfrage kam, unsere Türen zu öffnen und das Projekt zu unterstützen“, fasst Sühling zusammen.

Neben den wöchentlichen Terminen auf dem Überwasserkirchplatz soll das Mobil künftig auch in anderen Stadtteilen Station machen, etwa in Gievenbeck oder Kinderhaus. Finanziert wird das Projekt durch verschiedene Quellen: Das Personal wird mit EU-Mitteln und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales getragen, vieles andere kommt über Spenden zustande – vom Handtuch über Hygieneartikel bis zur Unterwäsche.

Ort für Ruhe und Gespräche

Doch für die Verantwortlichen geht es nicht nur um Hygiene. „Es hat ganz viel mit Menschenwürde zu tun“, sagt Karsten Berndt vom ASB. „Wir wollen weder das Angebot noch die Menschen verstecken, sondern einen Ort schaffen, an dem man Zeit hat, in Ruhe anzukommen – und vielleicht auch ins Gespräch zu kommen.“

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