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Jochen Sautermeister versteht Argumente der Gegner nicht

Moraltheologe kritisiert Bischofs-Nein zur Reform der Sexualmoral

  • Der Moraltheologe Jochen Sautermeister kritisiert die Bischöfe, die bei der Synodalversammlung gegen das Reformpapier zur Sexualmoral gestimmt hat.
  • Es gehe um die Weiterentwicklung der kirchlichen Sexuallehre.
  • Die lehramtliche Sexualmoral entspreche nicht dem Forschungsstand der Humanwissenschaften, so Sautermeister.
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Der Bonner katholische Moraltheologe Jochen Sautermeister kritisiert diejenigen unter den deutschen Bischöfen, die beim Reformprojekt Synodaler Weg die Verabschiedung eines Reformpapiers zur Sexualmoral verhindert haben. Der Grundtext zu einer erneuerten Sexualethik sei „sehr solide ausgearbeitet“ und bilde behutsam den theologisch-ethischen Diskussionsstand ab, sagte er dem Schweizer Portal kath.ch. Dass dennoch keine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe zustande kam, sei „ein gewaltiges, irritierendes Beben“ gewesen.

Nicht nachvollziehen könne er die Argumente der Gegner, der Text entspreche nicht der kirchlichen Lehre und auch nicht der christlichen Anthropologie. Es gehe um eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexuallehre, betonte Sautermeister: „Und Weiterentwicklung und Vertiefung der theologisch-ethischen Grundeinsichten sind ein wichtiger Bestandteil der Treue zum Evangelium.“

Papst vertieft Morallehre

Papst Franziskus etwa habe die kirchliche Morallehre dahingehend vertieft, dass die Todesstrafe immer unzulässig sei, fügte der Theologe hinzu. Als weitere Beispiele nannte er die Anerkennung der Religionsfreiheit durch die Kirche und das personale Eheverständnis: „Es ließen sich noch weitere Beispiele anführen, die zeigen: Tradition ist geschichtlich und es gibt Lern- und Einsichtsprozesse auch in der kirchlichen Morallehre.“

Konkret dürfe sich die kirchliche Morallehre aber auch nicht nur darauf berufen, dass man der Lebenswirklichkeit der Menschen gerecht werden wolle. Entscheidend sei das „Ernstnehmen der humanwissenschaftlichen Erkenntnisse zur menschlichen Sexualität und zweitens die Einsicht, dass selbstverständlich auch in queeren Beziehungen Liebe, Treue und Verantwortung gelebt werden kann.“ Wenn sich gesicherte empirische Erkenntnisse und Werteinsichten änderten, müsse das auch in der ethischen Urteilsbildung Berücksichtigung finden.

Sexualmoral entspricht nicht Forschungsstand

Die lehramtliche Sexualmoral entspreche derzeit nicht mehr dem Forschungsstand der Humanwissenschaften, ergänzte der Moraltheologe: „Die Kirche sollte aus Fehlern früherer Zeiten lernen. Ansonsten hätten wir einen neuen Fall Galilei im 21. Jahrhundert – nur mit dem gravierenden Unterschied, dass es die Gestirne nicht tangiert, was Menschen über sie denken.“ Tatsächlich stehe auf dem Spiel, „ob die Kirche überhaupt noch als moralische Autorität in der Gesellschaft Gehör finden kann“, so Sautermeister weiter.

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