Kurienkardinal kritisiert Vorurteile gegen Vatikanverwaltung

Müller macht für Absetzung Kräfte im Hintergrund verantwortlich

Kardinal Gerhard Ludwig Müller sieht im Papstschreiben „Amoris laetitia“ theologische Schwächen. „Wenn man auf die Glaubenskongregation gehört hätte, hätte man das Ziel besser erreicht und wäre besser gegen Einwände gewappnet gewesen“, sagte Müller dem ARD Politmagazin „report München“. Die Sendung wird am Dienstagabend ausgestrahlt. Papst Franziskus hatte im Juni die Amtszeit des Kardinals als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation nach fünf Jahren nicht mehr verlängert.

Müller mutmaßt darüber hinaus in dem Interview über die Motive dafür, warum seine Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation endete. „Ich denke, dass da bestimmte Kräfte im Hintergrund gewirkt haben, die meinten, das sei besser für die Kirche, wenn jemand aus einer anderen Richtung kommt“, sagte Müller.

Nicht-Verlängerung „sehr ungewöhnlich“

TV-Tipp
Das Interview mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Politmagazin „report München“ wird am 5. Dezember 2017 um 21.55 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

Den Vorgang der Nicht-Verlängerung seiner Amtszeit nannte der Kardinal insgesamt „sehr ungewöhnlich“. Schließlich komme man nicht wie ein Student mit einem Koffer daher: „Das ist verbunden mit großen Aufwendungen, ein neuer Hausstand in einem neuen Land.“ Dies alles sei sehr aufwendig, auch finanziell.

Im Laufe der Jahre habe ihm aber Franziskus öfter gesagt, „dass einige Leute vorstellig geworden sind und Dinge von mir berichtet haben, die den Tatsachen nicht entsprechen“, erzählte der Kardinal weiter. Auch publizistisch sei immer wieder behauptet worden, dass er Papst Franziskus und den Vorstellungen von Papst und Kirche im Weg stehe. Das sei die einzige Erklärung, die sich finden lasse: „Aber viele sind der Überzeugung, dass diese Kräfte im Hintergrund der Kirche keinen guten Dienst erwiesen haben.“

„Antirömische Stimmung in Argentinien“

Besonders in Argentinien, dem Herkunftsland von Papst Franziskus, macht Müller eine gewisse antirömische Stimmung aus. Dort bestünden Vorurteile gegen die zentrale Kirchenverwaltung im Vatikan, die Kurie, die nur teilweise berechtigt seien. So meinten manche, im Vatikan müsse mal aufgeräumt werden: „Doch wenn man sonst sagt, dass man den Einzelnen betrachten müsse, darf man die Mitarbeiter nicht unter dem Gesichtspunkt allgemeiner Vorurteile und Stereotype betrachten.“

Der Respekt vor den Mitarbeitern sei sehr wichtig, betonte der Kardinal. Diese könne man nicht behandeln wie „Schüler eines Internats“. Es müsse ein brüderliches Verhältnis von der einen zur anderen Ebene sein. Doch wie überall gebe es eben Typen, die nach dem Motto „Herr Lehrer, ich weiß was“ andere verpetzten und meinten, dadurch leisteten sie dem Direktor einen guten Dienst, sagte Müller.