POLITIK

Sozialethiker nach Sicherheitskonferenz: „Weltweite Perversion der Ökumene“

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Wieder geht das Politiker-Treffen in München zu Ende. Wie ein Theologe auf die Zukunft der westlichen Demokratie blickt. 

Von KNA

Der Münchner Sozialethiker Markus Vogt sieht die westliche Demokratie durch einen Verlust der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge bedroht. Neben Wladimir Putins Russland trage auch US-Präsident Donald Trump dazu bei, sagte Vogt am Sonntag zum Abschluss der Münchner Sicherheitskonferenz der Katholischen Nachrichten-Agentur. Beide befeuerten einen Desinformationskrieg.

„Desinformation ist zur Waffe und zum Instrument politischer Manipulation geworden“, sagte der Theologe. Russland beeinflusse mit hoher Reichweite in den sozialen Medien sogar Wahlen. Der Trumpismus erzeuge jenseits von Fakten maximale Aufmerksamkeit und lasse so traditionelle Formen vernünftiger Verständigung ins Leere laufen. Trump wie Putin versuchten, die unbequemen Wahrheiten unabhängiger Medien, Universitäten und Gerichte zu unterdrücken.

Im Desinformationskrieg spiele auch Religion eine wichtige Rolle, erläuterte der Sozialethiker. Sie diene dazu, politische Emotionen zu entfesseln. Lange habe der islamische Antimodernismus die Aufmerksamkeit gebunden. Inzwischen werde auch im Christentum Religion politisch instrumentalisiert. So habe der Moskauer Patriarch Kyrill den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine als „metaphysischen Kampf“ gegen den vermeintlich gottlosen und dekadenten Westen gerechtfertigt. Das erscheine vielen hierzulande absurd. Für Kyrills Ablehnung moderner Freiheitsrechte gebe es aber eine breite Zustimmung.

Koalition zwischen Christentum und Autoritarismus

Vogt sprach von einer „weltweiten Perversion der Ökumene“. Reaktionäre Katholiken, Evangelikale und russich-orthodoxe Christen hätten sich mit starken Spendern im Hintergrund zusammengetan, um den säkularen Liberalismus mit seinen Ansprüchen von Freiheit und Gleichheit anzugreifen. So sei eine neue Koalition zwischen Christentum und Autoritarismus entstanden.

Als politische „Energiezentren“ wirkten die Sakralisierung von Macht und Nation, der Kampf gegen eine liberale Migrationspolitik sowie die Ablehnung einer „Genderideologie“, so der Theologe. Die polarisierende Wirkung dieser Themen werde religiös aufgeladen und durch digitale Propaganda vonseiten des Putinismus und Trumpismus verstärkt.

Aufklärung gegen Missbrauch des Glaubens

Der Wissenschaftler sagte, es brauche eine neue Phase der Aufklärung gegen den Missbrauch des Glaubens für einen antidemokratischen und identitären Kulturkampf. Medienerziehung müsse „Bullshitresistenz“ hervorbringen und politische Bildung die Fähigkeit vermitteln, Wahrheit, Freiheit und Verantwortung zusammenzudenken.

Angesichts der europäischen Geschichte und ihrer fatalen Religionskriege warnte Vogt vor absoluten Wahrheitsansprüchen. „Wer meint, er besäße die Wahrheit, ist ihr größter Feind.“ Das hätten auch die Kirchen oft vergessen. Die Wahrheit Gottes sei stets größer als das je eigene Verständnis von ihr. Nach ihr zu suchen, erfordere Bereitschaft zu Selbstkritik, Umkehr und zur offenen Prüfung anderer Perspektiven. Die gleiche Logik liege den Menschenrechten zugrunde: „Sie sind immer auch die Rechte der anderen.“

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