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Annette Saal über die Öffnung der Kirchen an Weihnachten

Mündige Christen entscheiden selbst

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Die evangelische Kirche hat vorgelegt: Wegen der steigenden Zahl Corona-Infizierter rät sie dazu, über Weihnachten auf Präsenz-Gottesdienste zu verzichten. Dagegen will die katholische Kirche ihre bisherige Planung beibehalten. Chefredakteurin Annette Saal meint: Die Gläubigen sollten die Sache selbst in die Hand nehmen und verantwortungsvoll entscheiden, ob sie die Weihnachts-Gottesdienste in der Kirche oder vor dem Bildschirm mitfeiern.

Soll ich oder soll ich nicht? Die Diskussion über Präsenz-Weihnachtsgottesdienste nimmt Fahrt auf – parallel zu beunruhigenden Inzidenzzahlen. Die Evangelische Kirche von Westfalen und die Lippische Landeskirche haben dringend dazu geraten, über Weihnachten auf Präsenz-Gottesdienste zu verzichten. Präses Annette Kurschus hat unmissverständlich deutlich gemacht: Auch wenn den Kirchen aufgrund der Religionsfreiheit das Feiern von Gottesdiensten nicht untersagt sei, halte man es „angesichts der gegenwärtigen und deutlich veränderten Lage – trotz der bisher bewährten Schutzkonzepte – für ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten, um Menschen nicht zu gefährden“.

Und die katholische Kirche? Noch sind zu Weihnachten Gottesdienste in Kirchen geplant. Die Abstands- und Hygieneregeln werden sicher akribisch eingehalten. Dennoch ist das Dilemma offensichtlich: Einerseits ist der Besuch der Gottesdienste nicht ohne Risiko. Andererseits ist für viele das Fest ohne die gemeinsame Eucharistiefeier kein richtiges Weihnachten.

Die pragmatische Lösung kann nur lauten: Selbst entscheiden! 

Die Institution Kirche befindet sich in einer Zwickmühle: Rät sie von Präsenzgottesdiensten ab, protes­tieren diejenigen, die zu Weihnachten keinesfalls darauf verzichten möchten. Bietet sie aber wie vorgesehen Präsenzgottesdienste an, werden ihr einige Leichtfertigkeit vorwerfen. Wie auch immer: Einen Teil der Gläubigen gegen sich zu haben, kann die Kirche gerade jetzt nicht gebrauchen.

Die pragmatische Lösung kann nur lauten: Selbst entscheiden!  Wer zur Kirche geht, nur um in Weihnachtsstimmung zu kommen, handelt unverantwortlich, weil jeder Einzelne die Ansteckungsgefahr erhöht. Wem es aber ein Herzensanliegen ist, Weihnachten präsent mitfeiern zu können, sollte die Gelegenheit bekommen. Jeder sollte aber auch ernsthaft überlegen, ob ein Gottesdienst im Internet ausnahmsweise eine Alternative sein kann. Wenn die Entscheidung dann gegen den Kirchgang fällt, um andere nicht zu gefährden, kann ein Verzicht ein Akt der Nächstenliebe sein.

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