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Michael Seewald aus Münster übernimmt den „Denzinger“. Warum das für die katholische Theologie bedeutend ist – und was sich nun ändern könnte.
Michael Seewald, Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, wird neuer Herausgeber des „Denzinger“, des weltweit bedeutendsten Kompendiums lehramtlicher Texte der römisch-katholischen Kirche. Er folgt auf Peter Hünermann, der das Werk über drei Jahrzehnte prägte, teilt das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster mit. Der „Denzinger“ vereint zentrale Entscheidungen des kirchlichen Lehramts von der Antike bis heute und gilt als Standardwerk für Theologie, Forschung und kirchliche Praxis.
Die Neuauflage entsteht im Rahmen des Forschungsprojekts "Critical Edition of the Denzinger" (CREDENZ), das Seewald auf sieben Jahre anlegt und mit Mitteln des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Diesen renommiertesten deutschen Wissenschaftspreis erhielt Seewald im März 2025. Ziel ist nicht nur die kritische Edition, sondern auch die Erforschung der Entstehung und Entwicklung dogmatischer Normen.
Was Seewald ändern möchte
Seewald plant laut Angaben behutsame Veränderungen: Texte aus den Pontifikaten von Franziskus und Leo XIV. sollen ergänzt, weniger rezipierte Dokumente aus der Zeit Pauls VI. und Johannes Pauls II. womöglich gestrichen werden. Auch bislang unbeachtete historische Quellen, etwa von Reformkonzilien wie Konstanz, könnten neu aufgenommen werden. Die Nummerierung solle stabil bleiben, um die Zitierfähigkeit zu gewährleisten.
Der „Denzinger“ wurde 1854 erstmals veröffentlicht und ist heute in zahlreichen Sprachen verfügbar. Er bietet lehramtliche Texte in Originalsprache und Übersetzung, versehen mit Einleitungen und Quellenangaben. Künftig wird aus dem Werk mit „DS“ für Denzinger-Seewald zitiert.