Über Marien-Erscheinungen wie in Fatima, Seher und Asterix&Obelix

Müssen Katholiken an Visionen glauben?

An diesem Freitag reist Papst Franziskus für 24 Stunden nach Fatima. Was unterscheidet die Seher-Kinder in dem kleinen Ort in Portugal vom Seher des gallischen Dorfs um Asterix und Obelix? Was bedeuten die Erscheinungen? Und: Muss man das glauben?

„Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen“: eine gewohnt schnodderige Empfehlung des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Lucia dos Santos sowie Jacinta und Francisco Marto hatten Visionen – doch sie gingen nirgendwohin, stattdessen pilgern Heerscharen zu ihnen. Darunter vier Päpste, und an diesem Wochenende kommt der fünfte: Franziskus besucht Fatima, den einstmals kleinen Ort rund 150 Kilometer von Portugals Hauptstadt Lissabon entfernt.

„Seherkinder“ werden sie genannt. Ein merkwürdiges Wort: „Seher“.  – Wenn überhaupt noch jemand die Bezeichnung kennt, dann vielleicht aus dem gleichnamigen „Asterix&Obelix“-Band, in dem ein Dunkelmann sein intrigantes Unwesen treibt.

Er sagt allerlei Wunderbares, Grausliges und Selbstverständliches voraus und macht sich den Aberglauben vor allem der Bürgerinnen des kleinen gallischen Dorfs zunutze. Bezeichnenderweise heißt er „Lügfix“. Man hat es kommen sehen: Der Seher wird entlarvt.

Eine Schau ist keine Show

Von den „Seherkindern“ von Fatima hingegen wird gesagt, dass sie ab 1917 wirklich etwas Außerordentliches „gesehen“ haben. Ihnen sei die Gottesmutter Maria erschienen, mehrfach. Erscheinung, „sehen“, Vision: eine Schau ist keine Show. Aber was dann?

Irgendwas muss da dran sein, wenn die Kirche dieses Phänomen offiziell anerkennt und die Kinder anders als Helmut Schmidt nicht zum Arzt schickt, sondern sie sogar heilig spricht. Was ist da passiert? Was bedeutet das? Muss das jeder Katholik glauben?

Wissenschaftliche Erklärungsversuche

Um bei der letzten Frage anzufangen: Nein, das muss man nicht glauben. Dass Maria in Fatima erschienen ist, gehört nicht zum Glaubensgut der katholischen Kirche. Was genau damals passiert ist, wird niemand herausfinden. Theologen, Psychologen und Naturwissenschaftler kommen zu den verschiedensten Ergebnissen – von Wahnvorstellungen über tiefe psychische Prozesse bis zu der Erklärung, dass alles unerklärlich ist.

Gleichwohl: Von Visionen sprechen alle Weltreligionen. Selbst die auch von Nicht-Gläubigen verehrte Hildegard von Bingen hatte solche Erlebnisse. Und tatsächlich können sie auch ohne wasserdichte Beweisführung beim Glauben helfen: Offensichtlich gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die auf ihre Weise „real“ sind.

Wenn Gott in die Knochen fährt

Das beginnt aber nicht erst bei Marien-Erscheinungen in einem portugiesischen Dorf. Dass Gott überhaupt in jedem einzelnen Leben und in dieser Welt gegenwärtig ist und gegenwärtig bleibt, ist schon wunders genug.

Dafür müssen einem nicht erst die Augen übergehen, weil man weiß-Gott-was gesehen hat. Brot und Wein, die Bibel, Gemeinschaft, Versöhnung, ein armer Mensch, die Schöpfung, Liebe – in all dem ist Gott erfahrbar. Wem das in aller Wucht aufgeht und in die Knochen fährt, der wird definitiv alles anders sehen.