Spontan, kreativ - und mit Blick auch in ärmere Länder

Mundschutz selbst gemacht - drei Beispiele aus drei Gemeinden

Weil Mundschutz-Masken dringend gebraucht werden, haben viele Menschen im Bistum Münster einfach selbst mit dem Nähen angefangen - nicht für den medizinischen, wohl aber den privaten Bereich. Drei Beispiele aus Gemeinden am Niederrhein zeigen: Sie sind spontan, sie denken auch an die Menschen in viel ärmeren Regionen der Welt, und sie tüfteln sogar professionell ganz neue Möglichkeiten aus.

Voerde-Friedrichsfeld: KAB-Frauen helfen spontan

Je größer die Fallzahlen und je schwerwiegender die Folgen der Erkrankung wurden desto mehr hatte Roswitha Risthaus aus Voerde-Friedrichsfeld das Gefühl, helfen zu müssen: „Ich wollte eine Aktion starten und habe mich gefragt, was ich tun kann, wem ich helfen kann.“ Rasthaus ist KAB-Frau durch und durch, Solidarität schreibt sie auch außerhalb der Krise groß. Schnell war klar: Sie wollte Stoffmaske produzieren.  

Die KAB startete einen  Aufruf und bat um Materialspenden, Materialzuschnitte oder Nähbeteiligungen. Innerhalb von vier Tagen nähten die KAB-Frauen Beate van de Velden, Martina Steenmanns und Roswitha Risthaus mehr als 50 Masken, die sie bereits dem Gesundheitszentrum übergeben haben.

Schermbeck: Hilfe bei Corona in Indien

Pastor Xavier Muppala macht sich große Sorgen. Der gebürtige Inder weiß, dass, selbst wenn Industrienationen wie Deutschland oder Frankreich sehr betroffen sind, arme Länder um ein Vielfaches leiden. Von außen hat er nur begrenzte Möglichkeiten. Aber die will er nutzen. Sein Plan: die Herstellung von Mundschutzmasken in Ponugodu, seinem Heimatdorf. Seit Jahren fördert er dort eine Nähschule. "Wir wollen dort kurzfristig 3.000 Mundschutzmasken herstellen und sie kostenlos an Polizeibeamte, an das Pflegepersonal in Krankenhäusern, an die Angestellten in den Rathäusern und andere ehrenamtliche Helfer verteilen“, sagt Muppala. Auch die Bewohner des Dorfes Ponugodu und die zehn umliegenden Dörfer sollen mit den Schutzmasken versorgt werden.

Seit vielen Jahren fördert Schermbeck auf Initiative des indischen Seelsorgers das Nähzentrum im Dorf Ponugodu. Ziel seines Projekts ist es, dass Frauen und ihre Familien das Nähen erlernen. „So konnten wir 30 Frauen einen Weg aus der Armut weisen“, berichtet er. „Zum Abschluss des Kurses erhalten sie eine Nähmaschine als Geschenk, um sich und ihrer Familie in Zukunft die Kleidung zu nähen. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Muppala. Jetzt sollen die Frauen die erworbenen Fähigkeiten einsetzen, um sich und ihren Angehörigen die Gesundheit zu bewahren. Mehr Informationen können per Mail angefordert werden: muppalaxavier@gmail.com.

Kevelaer: Gesichtsschutz zum Selbermachen

Dass Schutzausrüstungen für medizinisches und Pflegepersonal zurzeit sehr knapp sind, weiß auch Heinz-Georg Kaysers. Der Arzt wird täglich mit dem Mangel vor allem an Schutzmasken und Schutzschirmen fürs Gesicht konfrontiert. Denn er berät mit seiner in Kevelaer ansässigen Firma Krankenhäuser in ganz Deutschland - auch in Geldern und Xanten. Mit seiner Frau Anne und Studenten der Hochschule Rhein-Waal in Kleve entwickelte er in der Corona-Krise einen Gesichtsschutz zum Selbermachen.

Er selbst sei handwerklich nicht sehr begabt und vertraue eher auf die Fähigkeiten seiner Frau Anne, die auch Mundschutzmasken aus Stoff herstelle, beschreibt er den Beginn der Produktion. Gemeinsam habe man einen groben Prototyp hergestellt. Mit den Studenten, die zur Zeit ja nicht an der Uni arbeiten können, haben sie innerhalb von zwei Stunden einen Schirm entwickelt, der in Verbindung mit einem Mundschutz gut vor der Tröpfcheninfektion schützt und mit wenig Aufwand selbst herzustellen ist.

Nach acht Stunden waren die ersten 150 Stück fertig, inzwischen haben wir innerhalb von drei Tagen 500 Schirme angefertigt und an die Krankenhäuser in Xanten und Geldern und an Altenheime verteilt.

Studenten als Experten

Jos Grootens, Claudio Arnhold und Leon Paulat studieren Bio Science and health in Kleve. „Ein relativ neuer Studiengang, der uns anschließend sehr viele Berufsfelder öffnet“ erläutert Jos Grootens. Nachdem Kaysers ihnen seine Idee vorgestell hat, beschlossen sie, mitzumachen. Jos und Claudio tüftelten ein wenig herum, verbesserten das Ursprungsmodell in wesentlichen Punkten, besorgten anschließend das Material und schon konnten sie mit der Produktion starten.

„Das Verfahren ist ziemlich simpel“ sagt Jos. „Man benötigt Folie, Gummiband, Schrägband, Panzerklebeband und einen Tacker. Für die Folie nehmen wir Abdeckblätter für Seminarmappen im DIN A4 -Format. Die schneiden wir in die passende Größe, runden die Ecken ab und stanzen Löcher hinein. Dann werden Stirn- und Gummibänder auf die entsprechende Länge geschnitten, das Gummiband durch die Löcher gezogen, alles wird festgetackert und zum Schluss werden die Klammern abgeklebt, um Verletzungen zu vermeiden. Das geht ziemlich schnell.“

Inzwischen sind auch schon die ersten positiven Reaktionen, vor allem aus Geldern und Xanten eingegangen. „Die Mitarbeiter der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind dankbar für diese Hilfe“ meint Kaysers. „Wir werden auf jeden Fall weitermachen, solange Bedarf besteht. Und wenn es sein muss, könnten wir unsere Produktionskapazitäten auch noch weiter ausbauen.“