Erste Aufführung am 10. Dezember

Musiker am Niederrhein bringen Franziskus auf die Bühne

„Franziskus, du hast die Welt verändert.“ Aus 70 Kehlen erklingt das Lied in der Uedemer St.-Laurentius-Kirche. Gebannt blicken die Sängerinnen und Sänger auf ihren Dirigenten Tom Löwenthal, der ihnen mit eindringlichen Gesten deutlich macht, wie er sich die Gestaltung der Musik vorstellt. Er bricht die Probe ab und signalisiert mit knappen Worten, dass ihm die Interpretation dieses Stückes bereits gut gefallen hat. Einige kurze Hinweise, dann hebt er den Arm und die Chor- und Bandmitglieder wissen, es geht weiter.

Seit einem Jahr proben die Sänger und Musiker der Singgemeinschaft „Akzente“ aus Uedem, der Kirchenchor „Cäcilia“ aus Uedemerbruch und die Aengen-Eyndt-Band aus Achterhoek an dem modernen Singspiel „Franziskus – ein Heiliger und ein Papst“. Jetzt geht es auf die Zielgerade, denn am 10. Dezember ist die Aufführung des Musikspiels um 17 Uhr in der Uedemer Pfarrkirche St. Laurentius und am 18. Dezember um 19 Uhr auf den Stufen der Kevelaerer Basilika.

Herausforderung für die Musiker

„Wir haben viel Zeit miteinander verbracht“, sagt Löwenthal, Dirigent des Kirchenchors aus Uedmerbruch. Und wenn er „wir“ sagt, meint er seinen Kollegen Volker Reuter, Leiter der Singgemeinschaft „Akzente“, und das 70-köpfige Musikerensemble. Löwenthal und Reuter haben mit den Sängerinnen und Sängern 20 Musikstücke einstudiert – mal gemeinsam, mal getrennt, mal mit und mal ohne Band. Dieses Singspiel einzustudieren erforderte eine große Anstrengung.

„Die Probenarbeit musste ja neben dem Jahres- und Konzertprogramm geleistet werden, das wir vor der Brust haben“, sagt Reuter. Doch die eingängigen Melodien und Texte erleichtern den Musikern die Probenarbeit. Bis zu den Sommerferien wurden die einzelnen Lieder und Chorsätze gepaukt. „Die Zeit danach wurde für den Feinschliff benötigt“, meint Löwenthal. Und Chorsängerin Ruth Keuken ergänzt: „Schließlich mussten zwei Ensembles mit jeweils 35 Sängern zu einem Klangkörper zusammengeführt werden.“

Das Ziel vor Augen

Die Aengen-Eyndt-Band aus Achterhoek. | Foto: Jürgen Kappel
Die Aengen-Eyndt-Band aus Achterhoek. | Foto: Jürgen Kappel

Schon mit dem Ziel vor Augen, gemeinsam ein Singspiel aufführen zu wollen, haben die Dirigenten dieses Stück ausgesucht. „Die Musik ist einfach zu gestalten und entfaltet doch eine überzeugende Klangwirkung“, sagt Tom Löwenthal. Und für den Laien erklärt er: „Meistens werden nur die weißen Tasten auf dem Klavier genutzt, wir leben hier in der Klangwelt von C-Dur oder e-moll.“ Das habe die Probenarbeit enorm erleichtert.

„Es musste ja für beide Chöre zu schaffen sein“, sagt Reuter. „Die entscheidende Frage lautete: ›Schaffen wir das?‹ Erst wir diese Frage mit Ja beantworten konnten, haben wir uns entschlossen, das Stück auszusuchen und mit der Probenarbeit zu beginnen“, erläutert Reuter. Sie suchten im Internet. Dort fanden sie das Stück von Siegfried Fietz, das einen Bogen vom heiligen Franziskus in seiner Zeit bis zu Papst Franziskus und den aktuellen Bezügen in der Gegenwart spannt.

Schon Erfahrungen gesammelt

Der Chor „Akzente“ aus Uedem hatte bereits seit längerem nach einem weiteren Ensemble gesucht, um ein größeres Musikspiel aufzuführen. Gute Erfahrungen hatten sie schon vor einigen Jahren gemacht, als sie mit einem Gocher und einem Weseler Chor das Stück „Hoffnungsland“ aufgeführt haben. „Mit diesen beiden Ensembles haben wir damals auch ein Jahr geprobt, um mit dem Musikstück ein Konzert geben zu können“, sagt Reuter.

Im Herbst des vergangenen Jahres habe man sich wieder auf die Suche nach einem neuen Partner begeben. In Tom Löwenthal und dem Uedembrucher Kirchenchor fand Reuter schnell einen kongenialen Partner. Wie vertraut die Atmosphäre ist, zeigt sich auch in der Entscheidung, dass Tom Löwenthal als Dirigent wirkt und Volker Reuter im Ensemble singt. „Ich bin froh, dass ich als Tenor die Männerstimme verstärken kann. Überhaupt bin ich dankbar, in der hinteren Reihe stehen zu können.“ Und Löwenthal ergänzt: „Wollte Volker dirigieren, hätte ich sofort zugestimmt.“

Aktuelle Bezüge

Tom Löwnethal, Leiter des Cäcilienchores in Uedenerbruch. | Foto: Jürgen Kappel
Tom Löwnethal, Leiter des Cäcilienchores in Uedenerbruch. | Foto: Jürgen Kappel

„Dieses Musikspiel hat die Botschaft von Franz und Clara und die Aktualisierung durch den heutigen Papst Franziskus zum Inhalt“, sagt Ruth Keuken. Seit fünf Jahren singt sie „begeistert“ mit, wie sie selbst sagt. Keuken ist mit dieser Jahreszahl noch ein Küken, denn die meisten Sängerinnen und Sänger des Ensembles gehören bereits seit 20 Jahren dazu. „Bei uns wurde auch die eine oder andere Ehe schon gestiftet“, sagt Keuken schmunzelnd.

Die Liedtexte des Singspiels „Franziskus – Ein Heiliger und ein Papst“ sind modern und unverändert aktuell. „Sie nehmen auch die Kirche selbst sowie die Themen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in den Blick“, erläutert Keuken. Um die Aussagen zuzuspitzen und auf die Liedtexte hinzuführen, wurden neue, kurze Sprecher-Texte geschrieben. „Wir leben in einer Zeit, die bedrohlich ist. Die Unberechenbarkeit unserer komplexen Welt führt dazu, dass wir uns ausgeliefert fühlen. Wir als Christen haben den Auftrag zum Frieden. Und der fängt bei uns selbst an: Dass ich da hoffe, wo Zweifel klagt. Dass ich da liebe, wo Hass sich regt. Dass ich verzeihe, wenn Streit entsteht. Dass ich den tröste, der traurig ist“, sagt Keuken.

Einsatz von moderner Technik

Nicht nur die Musik musste geprobt werden. Die Technik für die Band und für die Aufführung musste organisiert werden. Für den Beamer wurden Textvorlagen für den Chor geschrieben und Bilder für die Aufführung herausgesucht. Die Sängerinnen und Sänger müssen jetzt nicht mehr in die Noten gucken.

„Dass die Sängerinnen und Sänger den Blick auf den Dirigenten richten können, verbessert die Kommunikation mit mir“, sagt Löwenthal. „Der Augenkontakt steigert das musikalische Ergebnis. Die Aussprache wird besser, die Pausen werden akzentuierter eingehalten, man kann aus dem Moment heraus dynamischer musizieren.“

Potenzial für die Zukunft

Dirigenten und Chorsänger sind von der jetzigen Probenarbeit begeistert. „Das hat Potenzial für die Zukunft“, sagen Keuken Reuter und Löwenstein. Auch wenn sie wissen, dass es nur alle paar Jahre möglich ist. „Es bleibt im Jahresprogramm zu viel auf der Strecke“, sagen sie.