Das machen das Bistum Münster und die Bischofskonferenz mit den Zahlen

Muss eine Kirche schließen, wenn keiner mehr kommt?

Die Zahl der Gottesdienstbesucher an Sonntagen wird jedes Jahr für die kirchliche Statistik festgehalten. Aber wer zählt eigentlich? Was machen die Verantwortlichen mit den Zahlen? Und was passiert, wenn keiner mehr die Messe in eine Kirche besucht? „Kirche-und-Leben.de“ hat bei der Deutschen Bischofskonferenz und im Generalvikariat in Münster nachgefragt.

Wann und wie oft werden Gottesdienstbesucher gezählt?

Zweimal im Jahr werden in Deutschland die Besucher von katholischen Sonntags-Gottesdiensten gezählt – jeweils am zweiten Fastensonntag und am zweiten Sonntag im November. „Also an möglichst ‚normalen‘ Sonntagen des Kirchenjahrs“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf Anfrage von „Kirche+Leben“. Diese Vorgabe haben die Bischöfe 1969 bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung gemacht.

Wer zählt die Gottesdienstbesucher?

„Jede Zählung wird im Kirchlichen Amtsblatt der Diözesen angekündigt und vor Ort organisiert“, erklärt die Sprecherin. In den Gemeinden zählen häufig Messdiener, Senioren oder andere Freiwillige.

Wie belastbar sind die Zahlen? Schließlich könnte ja der eine oder andere Besucher bei der Zählung übersehen oder irrtümlich doppelt gezählt werden.

„Die Zahlen werden als verbindlich und valide angesehen“, heißt es von der DBK. Auch Stephan Kronenburg, Leiter der Bischöflichen Pressestelle in Münster, steht hinter der Art der Erhebung: „Dass das nicht gewissenhaft erfolgen würde, dafür haben wir keine Anhaltspunkte.“ Einen Nachteil sieht er jedoch in dem Verfahren. Denn mit der Zählung an nur zwei Sonntagen im Jahr würden „nicht die Gläubigen ermittelt, die zwar nicht jeden Sonntag, wohl aber häufiger oder ab und zu kommen“.

Was passiert mit den Ergebnissen der Zählungen?

Die Zahlen der Gottesdienstbesucher werden in der DBK-Vollversammlung „zur Kenntnis genommen und diskutiert“, sagt die DBK-Sprecherin. Im Bistum Münster befasst sich eine Arbeitsgruppe damit, wie Gottesdienste gestaltet werden können, sodass „wieder mehr Menschen erkennen, dass der sonntägliche Besuch der Messe ihr Leben bereichern kann“, berichtet Kronenburg. Ebenso würden die Gemeinden das Thema angehen.

Und wenn keiner mehr kommt? Wird die Kirche dann dicht gemacht?

„Kirchenschließungen stehen immer damit in Zusammenhang, welche Möglichkeiten und Grenzen eine Pfarrei für die Seelsorge der Zukunft sieht“, sagt der Bistumssprecher. Also welche pastoralen Schwerpunkte sie setze und welche Angebote sie aufgebe. Dabei würden auch die Immobilien in Frage gestellt. „Wenn die Zahl der Gottesdienstbesucher an einem Kirchort sehr gering ist, ist es nachvollziehbar, dass eine Pfarrei sich fragt, ob der Kirchort eine Zukunftsperspektive hat.“

Wie bewertet die Bistumsleitung die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher?

Die Bistumsleitung sieht die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher „als Auftrag, den eingeschlagenen Kulturwandel in unserem Bistum weiter voranzutreiben“, sagt Kronenburg. Ziel sei, den Wünschen der Gläubigen entsprechend, „in unserem Bistum eine Kultur der Beziehung zu fördern, die im Geiste Jesu ist“. Wenn das gelänge, „ändert sich durch Erfahrung vielleicht das Bild, das die Menschen teilweise von der Kirche und von den Gottesdiensten haben“.