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Gelände in Haldern soll verkauft werden

Nach 172 Jahren: Ordensfrauen verlassen Haus Aspel in Rees

  • Ende 2022 werden die Töchter von heiligen Kreuz Haus Aspel in Rees-Haldern verlassen.
  • In Stolberg-Venwegen haben sie eine neue Heimat gefunden.
  • Der fehlende Nachwuchs macht die Entscheidung notwendig.
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Eine Ära geht zu Ende. Nach fast 172 Jahren neigt sich 2022 die Geschichte der Töchter vom heiligen Kreuz in Haus Aspel bei Rees-Haldern dem Ende entgegen. „Spätestens zum 31. Dezember 2022 werden die Schwestern Aspel verlassen“, sagt die Provinzialoberin Schwester Maria Beate Reifenberg. Am gestrigen Dienstag habe sie diese Entscheidung den im Haus lebenden 34 Ordensfrauen mitgeteilt. Mit großem Schmerz hätten diese auf die Pläne der Ordensleitung reagiert. Aber ihnen sei auch bewusst, dass es zu diesem Schritt keine Alternative gebe.

„Uns fehlt der Nachwuchs“, begründet die Provinzialoberin. Sie sei die letzte Oberin und habe 1997 die Leitung der Ordensgemeinschaft in Deutschland mit Sitz in Haus Aspel übernommen. „Uns fehlen die jüngeren Schwestern, die Leitungsaufgaben übernehmen und das Haus auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht mit gutem Überblick führen können. Die in Aspel lebenden Schwestern sind im Schnitt mehr als 84 Jahre alt.“

Fast alle Ordensfrauen im Rentenalter

Von den zurzeit in Aspel lebenden 34 Schwestern werden nach Auskunft der Oberin 19 Frauen im angrenzenden Irmgardisstift gepflegt. Alle Ordensfrauen bis auf eine befänden sich im Rentenalter. „Unsere Hilfe im Haus ist an vielen Stellen erforderlich. Aber selbst, wenn der gesundheitliche Zustand der Schwestern so bleibt, wie er ist, ist diese Hilfe nur noch für eine überschaubare Zeit möglich“, sagt Schwester Maria Beate.

Von der Entscheidung, die Ordensniederlassung aufzugeben, sind auch 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, Verwaltung, Hauswirtschaft und Instandhaltung betroffen. Ihre Verträge blieben auf jeden Fall bis Ende 2022 bestehen. Komme der Umzug früher, würden die Löhne bis zum Ende des Jahres ausgezahlt, sagt die Oberin. Sie hoffe, dass alle dann eine neue Arbeitsstelle gefunden hätten.

Es geht nach Stolberg

Der Wunsch der Schwestern, am Niederrhein zu bleiben, lässt sich nicht erfüllen. Für die teils pflegebedürftigen Schwestern sei eine geeignete Unterkunft nicht zu finden. „Wir sind in der niederrheinischen Region gut vernetzt und fühlen uns hier sehr wohl. Deshalb fällt der Abschied uns schwer“, bedauert die Provinzialoberin.

Die neue Heimat wird das ehemalige Mutterhaus der Christenserinnen mit zwei angeschlossenen Seniorenheimen in Stolberg-Venwegen. Dass die Schwestern nun doch gemeinsam umziehen können, erfülle sie mit großer Dankbarkeit, sagt die Oberin.

„Es liegt nun noch ein ganzes Jahr vor uns. Eine Zeit, in der wir sicherlich oft an den Abschied denken, aber andererseits auch an die neue Heimat. ‚Gottes Zeit mit uns und für uns‘ ist nicht an einen Ort gebunden, das wissen wir. Aber Haus Aspel und seine wunderbare Atmosphäre ist mit uns gegangen vom Tag des Eintritts an und bleibt sicherlich lebendig in uns.“

Großes Gelände rund um Haus Aspel

Der Umzug könne nur in Etappen geschehen und werde ein Kraftakt, davon ist die Oberin überzeugt. Seit April 2021 sei der Gedanke, Aspel aufzugeben, diskutiert worden. Nachdem die Ordensleitung in Rom das neue Haus in Stolberg-Venwegen besichtigt habe, sei die Entscheidung umzuziehen gefallen.

Der Orden plant, Haus Aspel, das sich im Besitz der Töchter vom heiligen Kreuz befindet, zu verkaufen. Die Immobilie umfasst das 140.000 Quadratmeter große Grundstück samt Aspeler Meer und 19.000 Quadratmetern bebauter Fläche.

Orden in Belgien gegründet

Eine Gesellschaft bemüht sich im Augenblick um einen Käufer. „Die Auswirkungen von Corona sind auch dabei nicht zu unterschätzen“, betont Schwester Maria Beate Reifenberg. Die Gebäude, mit Ausnahme des Landhauses, stehen – von außen – unter Denkmalschutz.

Der Orden der Töchter vom heiligen Kreuz wurde 1833 von Maria Theresia Haze in Belgien gegründet. In der Industriestadt Lüttich kümmerten sich die Ordensfrauen in den Elendsvierteln um Straßenkinder, Hilfsbedürftige und Kranke. 1851 wurde in Haus Aspel die deutsche Niederlassung gegründet. Dort leben derzeit 34 der 38 in Deutschland beheimateten Schwestern, weltweit sind es rund 1.000. Vor allem in Indien hat der Orden noch starken Zuwachs. In Europa gehen die Zahlen zurück.

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